Von „ach du Schreck“ zu „Wow“, so könnte man auch meine Entstehungsgeschichte zum Wool & Honey Sweater zusammenfassen. Wie gut, dass es für all die Umwege und Mühen dann auch ein angekreuztes Feld beim BINGO! von antetanni gibt.
Im Sommer 2019 brachte Andrea Mowry von Drea Renee Knits die Strickanleitung zu einem Rundpassenpullover mit Wabenmuster im Bereich der Passe heraus. Und bereits im Oktober 2019 habe ich die Anleitung für Wool & Honey über Ravelry gekauft, ungewöhnlich schnell für mich. Nicht ganz so schnell war ich dann mit der Umsetzung. Immer wieder drängten sich andere Projekte vor. Außerdem hatte ich mir eingebildet, den Sweater in der Originalwolle zu stricken. Wegen der Farbe, ich gebe es zu. Die Wolle musste ich erstmal bestellen, denn mein lokales Wollgeschäft führt die Marke nicht. Auch das dauerte, war aber nicht der Grund warum es Jahre dauerte bis ich dann endlich die Maschen für den Sweater anschlug. Gestartet habe ich meinen Aufzeichnungen nach am 8. Januar 2024 mit dem Pullover.

Der Pullover hat wie gesagt eine Rundpasse und wird topdown, also von oben nach unten, gestrickt. Das Wabenmuster befindet sich nur im Bereich der Rundpasse, nach dem Abteilen der Ärmel wird nur noch kraus rechts gestrickt. Die Waben werden über viele Runden mitgehobene lange Schlaufen, die nach ein paar Reihen wieder eingestrickt werden, hergestellt. Sieht komplizierter aus als es tatsächlich ist. Im ersten Teil der Rundpasse werden die Waben dicht an dicht und den generellen Zunahmen folgend immer größer werdend gestrickt. Im zweiten Teil der Passe bleibt die Größe der Waben immer gleich, die Anzahl wird nach unten weniger. Die Zunahmen erfolgen nur noch in den Bereichen zwischen den Waben. Das Abteilen der Ärmelmaschen erfolgt relativ tief unter der Achsel, der Pullover wirkt dadurch noch kastiger. So ganz hat mich diese Passform nicht überzeugt, und auch einige andere nicht, deren Pullover ich mir auf Ravelry angesehen habe und die einiges optimiert haben.

Von oben beginnend stricken heißt dass es anfangs wirklich schnell voran geht. Das Wabenmuster stricken hat auch ziemlich Spaß gemacht zu stricken. Beim ersten Mal und auch noch beim zweiten Mal. Beim dritten Mal war ich dann schon ein bisschen frustriert, das lag aber nicht am Muster. Zwischen dem ersten Mal und dem zweiten Mal lagen auch zwei ganze Jahre, das Muster war also wieder wie neu 😉
Ich habe also Anfang Januar 2024 mit der Rundpasse von oben im Wabenmuster gestartet. Und es ging recht flott dahin. Gegen Ende des ersten Abschnitts kam mir die Passe jedoch sehr weit vor. Wirklich weit. Selbst für eine noch nicht ganz fertige Rundpasse, die ja über die Schultern gehen sollte. Noch ein paar Runden weiter gestrickt, immer wieder die Weite betrachtet, hin und her überlegt ob ich wieder auftrenne. Und dann erstmal das Strickstück beiseite gelegt, weil ich mich nicht zum Auftrennen durchringen konnte.

Ach ja, ich habe, meinen Oberweitenmaßen entsprechend, die Größe L begonnen zu stricken. Mit Nadelstärke 3,5 wie vorgesehen. Ich hatte die gleiche Nadelstärke und die gleiche Wolle wie in der Anleitung und dachte wohl, so weit weg könnte die Maschenprobe nicht sein. Jedenfalls kann ich mich nicht erinnern, ob ich eine Maschenprobe gemacht habe, oder warum nicht. Tja, eigentlich weiß ich es ja besser. Jetzt jedenfalls noch mehr. Sollte man meinen, aber auch beim Neustart zwei Jahre später, im Januar 2026, habe ich meine Maschenanzahl zunächst nicht mit der Maschenprobe der Anleitung verglichen. Sondern erstmal alles zwei Jahre zuvor gestrickte wieder aufgetrennt und von ganz vorne nochmal in Größe M begonnen. Nur um gegen Ende dieses Abschnitts festzustellen, dass es wieder zu groß wird. Und dass meine Maschenanzahl mit 20 Maschen pro 10cm schon recht weit entfernt ist von den geforderten 26 Maschen pro 10 cm. Ja ich weiß, sollte einer geübten Strickerin nicht passieren. Nennt es momentanen Aussetzer, dass ich nicht zuerst die Maschenanzahl abgeglichen habe. Die Strafe folgte dann auch sogleich, denn natürlich habe ich ein weiteres Mal aufgetrennt und von vorne begonnen. Zum Glück machte die nicht ganz einfache Wolle (dazu später noch mehr) auch ein zweites Mal auftrennen mit.
Und ich habe Größe M mit Nadelstärke 3,0 angeschlagen. Abschnitt 1 der Rundpasse war wieder schnell gestrickt, es wurde schon wieder recht weit, auch weil ich trotz geringerer Nadelstärke immer noch nur 21 Maschen pro 10cm zustande brachte. Wie auch immer die Designerin auf eine Maschenprobe von 26M/10cm kam, ist mir ein Rätsel, denn fest anziehen kann man bei dem Garn nicht. Da Größe M und Größe S sich bis zum Ende des Abschnitts 1 der Passe kaum unterscheiden, habe ich mich für Teil 2 der Passe für die Anleitung zu Größe S entschieden. Also weniger Zunahmen. Aber immer noch zu weit werdend. Also habe ich vor dem Weiterstricken erstmal umrechnen angefangen. Umfang bei verschiedenen Maschenproben, auch Ärmelumfang und Körperumfang. Bei der angegebenen Maschenprobe, und wieviele Maschen ich bei meiner Maschenprobe dafür benötigen würde. Und dabei gleich mal festgestellt, dass die Ärmel für mein Empfinden zu schmal ausfallen. Das kannte ich schon vom Nurtured Sweater der gleichen Designerin, da hatte ich für die Ärmel auch eine weitere Größe gestrickt als für den kastigen Körper. Auch mit der Maschenanzahl für Größe S würde der Pullover zu weit werden, mittlerweile war ich bei der benötigten Maschenanzahl für die von mir gewünschte Weite nahezu bei Größe XS angelangt. Wohlgemerkt, nicht nur weil der Pullover so groß ausfiel, auch weil meine Maschenprobe so weit daneben lag.

Im Endeffekt habe ich nach etwa der Hälfte der Zunahmen in Teil 2 der Passe aufgehört mit den Zunahmen. Ein Vorteil der Anleitung ist, dass die Zunahmen in diesem Abschnitt der Passe auch nur in den Bereichen zwischen dem Wabenmuster stattfinden. Und weil mir der Ärmelansatz, also das Abteilen der Ärmel vom Körper erst am Ende des Wabenmusters auch viel zu tief schien, habe ich die Ärmel auch bereits am Ende der Zunahmen abgeteilt und das Wabenmuster dann auf Körper und Ärmeln getrennt noch weitergeführt. Für die Ärmel habe ich mehr Maschen abgeteilt, damit der von mir gewünschte Umfang zustand kam. Der Körper war immer noch weit genug, außerdem habe ich unter den Achseln ein paar Maschen mehr zugenommen, bei Körper und Ärmeln. Der Rest war dann nur noch kraus rechts in Runden zu stricken, mit moderaten gleichmäßigen Abnahmen bei den Ärmeln, bis zu den Bündchen in 2r,2l.

Zum Garn: Loft von Brooklyn Tweed ist ein zweifädig versponnenes Garn in Fingering Stärke, das sehr leicht ist. Es besteht zu 100% aus Thargee Columbia Wolle aus Wyoming. Die Art der Verarbeitung sorgt für eine unregelmäßige Garnstärke, und es ist sehr anhaftend. Was für die Schlaufen der Anleitung ein Vorteil war. Und das Garn lässt sich sehr leicht reissen. Bereits beim Wickeln vom Strang auf Knäuel und dann auch beim Maschenanschlag habe ich das Garn ohne es zu wollen abgerissen. Danach war ich ziemlich vorsichtig was das fest anziehen von Maschen anging. Fest stricken, um eine Maschenprobe von 26M/10cm zu erhalten war dann jedenfalls keine Option. Nochmal würde ich das Garn nicht verarbeiten. Die Gelegenheit bietet sich allerdings auch nicht mehr, da das Garn nicht mehr im Handel ist, weil Brooklyn Tweed letztes Jahr die Garnproduktion eingestellt hat und sich wieder nur noch auf Strickanleitungen fokusiert.

Mal sehen wie sich das Garn beim Einweichen und Spannen verhält. Angeblich soll es eine weichere Oberfläche bekommen. Die hier gezeigten Fotos zeigen den Pullover noch nicht geblockt. Das werde ich als nächstes angehen. Und dann vielleicht noch ein Foto des Maschenbilds im geblockten Zustand nachreichen.
Mein Fazit: Auch wenn es mühsam klingt, den Pullover zu stricken, ganz viel der Mühen sind durch meine eigene Verpeiltheit und zu geringe Vorbereitung entstanden. Nur ein Teil ist der auch nicht ganz optimalen Passform des kastigen Pullovers mit Rundpasse geschuldet. Mit der Passform nach meinen Adaptierungen bin ich jedenfalls zufrieden. Es war eine gute Entscheidung die Ärmel früher abzuteilen. Und das Wabenmuster auf kraus rechts mag ich nach wie vor. So wurde aus einem anfänglichen „Ach du Schreck“ doch tatsächlich noch ein „Wow“ 🙂
Das ist drin:
- Schnitt/Anleitung: Wool & Honey von Andrea Mowry / Drea Renee Knits (über Ravelry)
- Material: 7 Stränge à 50g Loft von Brooklyn Tweed in Ember, 251m/50g, 100% Targhee- Columbia Wool, bestellt bei mylys, Hamburg
- Kosten: ca. 90€
- Werkzeug: Rundstricknadeln 3,0mm, für Ärmelbündchen 2,5mm
- Arbeitszeit: viele Stunden, noch mehr wegen der Extrarunden
- Info auch in Ravelry hier zu finden
