Monatsspaziergang im Mai 2026

Meine schöne Wahlheimatstadt Graz hätte zwar noch so einiges zu bieten, aber ab und zu ein Ausflug woanders hin ist auch mal ganz gut. Noch besser ist ein Wochenende in der alten Heimat. Vor allem wenn man mit lieben Menschen Geburtstag feiern kann. Und rund um die beiden Geburtstage fand auch noch eine Maiwanderung zum 1. Mai Platz. Und ein kurzer Sonntagsspaziergang, bevor wir uns mittags wieder ins Auto gesetzt und die etwa 480km nach Graz zurück gefahren sind. Zum Monatsspaziergang im Mai gibt es nun den Sonntagsspaziergang. Also, für uns war die Inspektionsrunde zu den Kühen ein Sonntagsspaziergang. Für den Bruder war es Alltag.

Die Kühe meines Bruders sind derzeit auf drei Wiesen verteilt. Die große Hofweide teilen sich ein paar Kühe und das jüngste Kalb. Nett von ihnen, dass sie für das Foto zum Laufstall herauf gewandert sind.
Das Kälbchen ist gerade mal zwei Tage alt.

Nach den am weitesten entfernten Kühen haben wir am Vortag gesehen. Nun machen wir uns auf den Weg zur Weide vor dem Dorf.

Schon zu Zeiten der Großeltern gab es diese blühende Fliederhecke oben an der Stützmauer entlang der Straße. Und auch den Sußbirnbaum, der nun leider aussieht als wolle er eingehen. Mein Bruder hat zwar bereits Reißer abgenommen und Ersatz gepflanzt, trauert aber trotzdem um den schönen alten Birnbaum.

Die Sußbirne, auch Sousbirn, ist eine alte lokale Sorte, vor allem im Fränkischen. Die Bäume sind großwüchsig und können sehr alt werden, auch weit über 100 Jahre. Die Früchte sind klein und zwar zum Frischverzehr geeignet, werden aber auch gerne zum Weiterverarbeiten, vor allem zum Brennen, verwendet.

Auf der Obstwiese vor dem Dorf gibt es auch noch ein paar Obstbäume, die unser Opa gepflanzt hat. Die meisten hat jedoch mein Bruder gepflanzt.

Mein Bruder deaktiviert den Elektrozaun und wir steigen drüber, um auf die Weide zu gelangen.

Vom anderen Ende der großen Weise sieht man die Obstbäume nicht mehr, und auch das Dorf ist hinter der Kuppe verschwunden.
So sorgt die Natur für Pflanzenvermehrung, in diesem Fall Apfelbäumchen. Die Apfelkerne werden von den Kühen ausgeschieden und finden im Kuhdung einen optimalen Nährboden.
Am Ende der Wiese gibt es ein kleines Wäldchen. Wir steigen den Hang hinunter. Im Sommer findet die Kuhherde hier Schatten und hält sich gerne in diesem Wäldchen auf. Momentan ist dieser Bereich jedoch für die Herde abgetrennt.
Ein paar späte Blüten der Buschwindröschen. Das Dorf liegt auf über 530m üNN
Das Große Zweiblatt (Listera ovata) ist eine heimische Orchideenart, die in ganz Deutschland verbreitet ist. Die Blütenansätze sind bereits erkennbar.
In dieser Gemeinde wurde in den frühen 1970ern eine Flurbereinigung durchgeführt und aus vielen kleinen Äckern und Wiesen mit Hecken dazwischen relativ große Ackerflächen geschaffen (jedoch nicht zu vergleichen mit den riesigen Ackerflächen in landwirtschaftlichen Gunstgebieten). Und doch haben sich, wohl auch wegen der Felsen, immer wieder Heckenbereiche erhalten.
Größere und kleinere Steinbrocken im Gelände sind hier keine Seltenheit. Nicht umsonst hieß die Oberpfalz manchmal auch die Stoapfalz und gibt es den Spruch „Ma kannt fast moina dou wachsadn Stoi“, man könnte meinen hier wüchsen Steine.
Dazwischen auch der eine oder andere wilde Obstbaum, hier ein paar Wildbirnen.
Und da ist sie, die Herde.

Wenn man genau hinsieht, kann man auf dem Foto die dünnen Schnüre des Elektrozauns erkennen. Die Weide ist in mehrere kleinere Bereiche unterteilt. Aufgrund der Trockenheit der letzten Jahre wendet mein Bruder seit einiger Zeit das Prinzip des Mob Grazing an. Dabei werden immer nur kleine Flächen für kurze Zeit beweidet, um den anderen Bereichen mehr Zeit für die Regeneration zu geben. Da es jedoch das ganze Frühjahr sehr trocken war, wächst das Gras kaum und es ist trotzdem schwierig genügend Futter für die Herde zu haben.

Mein Bruder unterwegs zu den Tieren, um ein weiteres Weidestück zum Beweiden freizugeben. Das Foto wo sie ihm in einer Reihe folgen ist leider nichts geworden.
Wir bleiben derweil außerhalb stehen und betrachten die Flora und Fauna am angrenzenden Trockenrasenhang. Auch einige Silberdisteln wachsen hier.
Und Steine…
Und Schlüsselblumen.

Das Birgland gehört zum Naturraum Fränkische Alb, genauer zur Mittleren Frankenalb, hier auch manchmal Oberpfälzer Alb oder Oberpfälzer Jura genannt, weil ja in der Oberpfalz und nicht im angrenzenden Mittelfranken gelegen. Das Kalkgestein des Jura ist stellenweise nur von einer dünnen Erdschicht oder gar nicht überdeckt. An Südhängen finden sich stellenweise Trockenrasen. So wie hier eben.

Die Schlehenhecken (Prunus spinosa, auch Schwarzdorn) sind schon fast abgeblüht
Noch ein letzter Blick zurück auf die Herde. Nun schon wieder von außerhalb des Elektrozauns, der auch wieder aktiviert wurde. Das Zaunbauen ist auch eine nicht zu unterschätzende Aufgabe der Weidebauern.
Noch ein letzter Blick auf die Obstwiese und den besonders schön blühenden Apfelbaum.
Auch im Dorf gibt es prägnante Bäume.
Der Stadel vom vorherigen Bild nochmal aus anderer Perspektive und ebenfalls mit Birnbaum.
Einer der letzten noch verbliebenen Erdkeller im Dorf. Den Erzählungen nach gehörte zum Hof meines Bruders früher auch so ein Erdkeller. Der musste allerdings in den späten 1960ern dem Bau der Kreisstraße durch das Dorf weichen, der Zugang lag ungefähr da wo jetzt die Betonstützmauer mit der Fliederhecke ist.

Früher gehörte zu jedem Hof auch eine Hüll. Das war ein mit Lehm abgedichtetes Wasserbecken, das als Viehtränke und noch viel mehr diente. Auf der karstigen Hochfläche der Alb konnte nur so Wasser über längere Zeit gehalten werden. Heute sind diese Hüllen allesamt verschwunden.

Und wir sind wieder am Ausgangspunkt, dem Hof meines Bruders, angelangt.

Die Sußbirne und auch die anderen Birn- und Apfelbäume schicke ich zu Astrids Baumfreunden, wo gerade auch passenderweise ein Apfelbaum vorgestellt wird.

Das war ein schöner Spaziergang bei prächtigem Maiwetter. Die Maiwanderung vom 1. Mai und die Auflösung ob wir dabei tatsächlich Frauenschuhorchideen gesehen haben gibt es am Zweitblog zu sehen (Link folgt). Und nun freue ich mich auf eure Monatsspaziergänge.

You are invited to the Inlinkz link party!

Click here to enter

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert