Den Monatsspaziergang im Oktober habe ich schon so lange vor, und endlich, endlich hat es geklappt. Es ist schon etliche Jahre her seit wir zuletzt beim Österreichischen Skulpturenpark südlich von Graz waren. Damals wie heute war es ein Ausflug am Wochenende nach meinem Geburtstag mit den zu Besuch weilenden Bamberger Freunden. Damals wie heute hatten wir viel Spaß mit diversen Fototableaus mit uns in unterschiedlichen Posen und den Kunstwerken dazu. Fotos für den MeMadeMittwoch sind auch noch entstanden. Zu sehen gibt es zum Monatsspaziergang jedoch nur Kunst und Landschaft, manches muss auch privat bleiben. Vor allem da ich in letzter Zeit bemerke, dass sich diverse KI-Generator und AI-Video-Dingsbums bei meinem Blog bedienen. Ungefragt und unerlaubt, wie ich anmerken möchte.
Der Österreichische Skulpturenpark befindet sich benachbart zum Freizeitzentrum Schwarzl-See in Premstätten südlich von Graz. Der Schwarzl-See entstand aus einer ehemaligen Kiesgrube der Firma Schwarzl Beton, die nach Aufgabe und Volllaufen mit Grundwasser zu einem Freizeitgelände ausgebaut wurde. Ein Freizeitgelände das 140 Hektar umfasst und mit der Steiermark-Halle und der Daviscup-Halle und diversen Gastronomiebetrieben auch Großveranstaltungen stemmen kann. Die Firma Schotter- und Betonwerk Karl Schwarzl Betriebsgesellschaft m.b.H. (ein Teil der Porr Group) ist übrigens auch immer noch dort angesiedelt. Und der Schwarzl-See ist nicht der einzige aus einer ehemaligen Kiesgrube entstandene See dort, es reihen sich in diesem Bereich mehrere Schotterseen aneinander. Und als es darum ging, ein geeignetes Gelände für die Internationale Gartenschau im Milleniumsjahr 2000 zu finden, fand sich dieses ebenfalls in diesem laut Angabe 7km vom Grazer Stadtzentrum entfernten Bereich (Warum radeln wir dann immer 14,5km zum noch davor gelegenen Samitzteich? Wenn doch von uns 3,5km zum Hauptplatz und somit Stadtzentrum sind? In meiner Rechnung macht das dann 11km. Hm). Praktischerweise direkt an der Südautobahn nach Slowenien gelegen, mit eigener Autobahnausfahrt.
So entstand vor 2000 direkt angrenzend an das Schwarzl Freizeitzentrum nach der Planung des Schweizer Landschaftsarchitekten Dieter Kienast und dessen Büro (er selbst war bereits vor Fertigstellung im Jahr 1998 verstorben) das Landesgartenschaugelände mit Acker-, Berg-, Blumen- und Fasanengarten. Acker- und Blumengarten wurden bis auf den heute in das Freizeitgelände integrierten Aussichtsturm wieder rückgebaut. Berg- und Fasanengarten blieben erhalten, als Nachnutzung wurde der in den frühen 1980er Jahren von Emil Breisach begonnene Skulpturengarten rund um das ORF-Studio Steiermark dorthin verlagert und im Kulturhauptstadtjahr 2003 als Skulpturenpark mit damals 45 Skulpturen eröffnet. Inzwischen ist der 7 Hektar große Skulpturenpark seit 2007 dem Universalmuseum Joanneum eingegliedert. Auf dessen Seite findet sich als ergänzende Info zur Geschichte des Skulpturenparks folgendes:
2001/2003 Österreichischer Skulpturenpark Privatstiftung: Nikolaus Breisach, Hermann Eisenköck und Ralph Schilcher gründeten als Vorstände in Kooperation mit der PORR AG und dem Land Steiermark die Österreichischer Skulpturenpark Privatstiftung. Peter Weibel und Christa Steinle als ehemalige Leiterin der Neuen Galerie Graz erstellten das Konzept eines international ausgerichteten Skulpturenparks, der 2003 eröffnet wurde. Seit 2007 Universalmuseum Joanneum: Um den damals 57 Skulpturen umfassenden Park in einen wissenschaftlichen Kontext zu integrieren und seine weitere, innovative Entwicklung zu sichern, initiierte die Privatstiftung in Abstimmung mit dem damaligen Kulturreferent des Landes Steiermark, Kurt Flecker, die Übernahme des Betriebs durch das Landesmuseum, seit 2009 Universalmuseum Joanneum.
Die gestaltete Landschaft im Park und die Skulpturen ergänzen sich ziemlich gut, wie ich finde. Auch wenn manches inzwischen ein bisschen hier abgestellt wirkt, war die Grundkonzeption schon eine wohlüberlegte. Wie aus der Geschichte hervorgeht, wurden zumindest die anfänglichen Skulpturen nicht extra für den Skulpturenpark konzipiert. Inzwischen kam einiges an Skulpturen hinzu, manches bestellt, manches eine Schenkung, und die neueren durchaus Bezug auf die gestaltete Landschaft nehmend. Eine Übersicht über die Skulpturen findet man ebenfalls auf der Seite des Universalmuseum Joanneum. Zur Ergänzung, weil die Aufzählung wegen der Lichtverhältnisse auf folgendem Foto nicht allzu gut leserlich ist. Mit Klicken auf die einzelnen Skulpturen kommt man zu noch mehr Informationen. Ebenfalls auf der Seite findet sich eine aktuellere Übersicht. Statt Berggartencafé gibt es zum Beispiel inzwischen nur noch einen Getränkeautomaten. Schade, aber wegen der nicht allzu hohen Besucherfrequenz erwartbar.

Gut erkennbar auf der Übersicht ist die Konzeption des Berggartens mit schiefen Ebenen und scharfen Kanten, was einen ganz besonderen Reiz ausmacht. Auf nextroom.at, der österreichischen Architekturdatenbank, werden die Landschaftsarchitekten Dieter und Erika Kienast zur Konzeption von Berggarten und Fasanengarten folgendermaßen zitiert:
Der Berggarten zeigt eine stark skulptural überformte Erdtopographie. Die Abgrenzung erfolgt mit einem fünf Meter hohen, geometrisch ausgeformten Rasenwall. Hier wird die steilstmögliche Rasenböschung mittels geotextilen Hilfsmitteln gezeigt. Der Erdwall definiert den Gartenraum gegen Aussen und Innen und hat gleichzeitig lärmdämmende Wirkung. Im Garteninneren erleben wir die plastische Kraft dieser zum Teil thematischen Bepflanzung einer geometrisch überformten Topographie. Die Schrägen sind thematisch und materiell unterschiedlich ausgeformt: Im Schotterfeld wachsen in den Zwischenräumen ausgewählte Gräser und Bergblumen, womit eine neue Form des tradierten Alpinums des 19. Jahrhunderts angestrebt wird. Vom höchsten Punkt aus geniessen wir die gelenkte Sicht auf das Landschaftslesebuch, auf die Berge und den angrenzenden See. Im Landschaftsbuch – das den Dialog zwischen Natur und Landschaft subtil weiterführt – lesen wir aus erhöhter Warte einen Text aus dem „Schilcher ABC“ des steirischen Autors R.P.Gruber, welcher im Rasen mit Streckmetallplatten eingelassen ist (…) Im nördlichen Teil des Berggartens bleiben die vorhandenen Einzelbäume in den Pyramidenzwischenräumen weitgehend erhalten. Im südlichen Teil dominiert der bestehende Fichtenwald, der mit Waldstauden, Farnpflanzen, etc. angereichert wird. Darin eingeschnitten ist der neue Waldweiher, eine Antipode zum belebten Badesee. In vorhandenen Lichtungen wird hier eine künstliche Topographie erzeugt und somit eine räumliche Erlebnisvielfalt verstärkt. (…)
Der Fasanengarten wird durch eine umfassende Lindenhecke begrenzt. Sein Inneres zeigt einen Lindenheckenmäander, der von West nach Ost schräg abfällt und in ein Labyrinth mündet. Der spannungsvolle Wechsel von räumlicher Enge und Weite, von different ausgestalteten Gartenräumen, wird auf den beiden Erschliessungswegen unterschiedlich belebt: dort befinden sich der Teich mit seinen Lotusblumen und der Kirscheninsel, die Himmelstreppe neben der Erdrampe, die wilden, aber zugeschnittenen Topiarys, der Rosengarten, das große Rasenstück mit der Magnolienanhöhe. Im südlichen Teil liegen ein Irrgarten und ein Labyrinth. In der Mitte des Irrgartens bleibt eine alte Eiche erhalten. Im Zentrum des Labyrinths finden wir nicht mehr den Minotaurus: der Wanderer wird mit einer einfachen Bank zum Ausruhen belohnt.

Als Vertreter für all die erhaltenen und neu gepflanzten Bäume im Skulpturenpark darf die Gründungslinde zusammen mit den Eichen im Labyrinth die Baumfreunde bei Astrid Le Monde de Kitchi besuchen.

























Zu zeigen gäbe es noch ganz viel, weil es dort einfach so viel zu sehen gibt. Am Parkplatz dann weitere hübsche Blechteile, offensichtlich hatte ein Oldtimerclub eine Sonntagsausfahrt zum Skulpturenpark unternommen, und so gab es ganz viele alte Käfer und andere VW und Autos zu sehen. Da die maximale Fotozahl aber sowieso bereits ausgereizt ist, müsst ihr euch die hübschen Blechkisten jetzt denken 😉
Nicht unterschlagen, gerade weil es außer im Wikipedia-Artikel zum Skulpturenpark fast nirgends erwähnt wird, möchte ich auch die unter dem Skulpturenpark schlummernde Zeitbombe in Form einer Altlast. Das Altlasten-GIS weist gerade im Eingangsbereich eine 15.000m² große Deponie Schwarzl mit Hausmüll und Bauschutt aus. Seit 2014 ist diese Deponie Schwarzl aus den 1960er Jahren anscheinend als zu sanieren ausgewiesen, weil eine kontinuierliche Grundwasserkontamination vorliegt. Steht zumindest so in den Informationen zur Altlast ST29 im Altlasten-GIS. Wäre interessant zu erfahren, ob die Deponie bekannt war, als das ehemalige Firmengelände für den Standort der Landesgartenschau und später dann für den Skulpturenpark ausgewählt wurde. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Und wo seid ihr so unterwegs gewesen?
