Weihnachtskleid Sewalong 2025 – Finale

Diesmal war der Wurm drin. Da wusste ich bereits im Januar, aus welchem Stoff ich ein Kleid haben wollte, und spätestens im April, in welchem Schnitt. Noch dazu ein wirklich einfacher und eigentlich schnell umzusetzender Schnitt. Trotzdem habe ich es nicht geschafft, mein Weihnachtskleid rechtzeitig anzufangen, geschweige denn fertig zu bekommen. Irgendwie war heuer die Luft raus. Bzw. habe ich andere Prioritäten gesetzt. Die wenige für Nähen und Stricken freie Zeit habe ich hauptsächlich zur Geschenkeproduktion verwendet. Bis Heiligabend. Dann ging es für mehrere Tage ab in die alte Heimat. Und in diesen Tagen habe ich den Laptop kein einziges Mal aufgeklappt. Kaum zurück, musste Silvester vorbereitet werden, wir hatten Freunde eingeladen. Immerhin habe ich zwischendurch die nicht vorgesehenen Taschen an das Kleid gebastelt und auch tatsächlich das Kleid bis auf den Saum fertig bekommen. Dann kam auch schon mein Bruder mit dreien der Kinder zu Besuch, wir waren viel unterwegs und haben abends viele Bohnen angebaut, der Laptop blieb wieder zu. So kommt es also, dass Säumen und Fotos machen erst am allerletzten Tag und mit schwindendem Tageslicht bewerkstelligt werden konnten. Zum Glück hat das tolle Team vom MeMadeMittwoch heuer die Linkparty extra lang gehalten, wie wenn sie wüssten. An dieser Stelle dann auch ein herzliches Dankeschön für all das Kümmern, das mit dem Bereitstellen und Bereithalten und Pflegen der Plattform und dem monatlichen MeMadeMittwoch verbunden ist.

Ein Kleid braucht Taschen

Wie bereits erwähnt, dachte ich ja beim ersten Erblicken des Kleides im Burdaheft, dass in den Abnähern verborgen wären. Nur um beim Betrachten der Schnittteile festzustellen, dass dem nicht so ist. Aber ein Kleid braucht Taschen, deshalb habe ich welche integriert. Die geschwungenen Abnäher boten sich an dafür, also habe ich ein bisschen gebastelt.

Die Kante war am Schnitt eingezeichnet, also habe ich den Abnäher an dieser Stelle eingeschnitten. Natürlich mit Berücksichtigen einer Nahtzugabe, zumindest auf der einen Seite. Auf der anderen Seite blieb der Stoff bewusst als Lappen dran, um am Tascheneingriff einen schönen Übergang zu haben.

Zur Seitennaht hin habe ich den Abnäher auf etwa 3cm wieder geschlossen, damit dort ein sauberer Übergang ist. Von innen sehen die Taschen so aus wie am rechten Bild.

Und so am fertigen Kleid. Der äußere Taschenbeutel ist mit einer Untersteppnaht zusätzlich fixiert, der innere Taschenbeutel beginnt erst weiter im Tascheninneren.

Gäbe es die letzte Minute nicht…

Bis auf die Säume an Ärmeln und Rock wurde das Kleid zwar nicht vor Weihnachten, aber immerhin noch im alten Jahr fertig. Die Säume dann in der letzten Minute. Immerhin habe ich das neue Nähjahr gleich mit neuer Nähtechnik begonnen. Denn ich habe erstmals den Blindstich mit Nähmaschine ausprobiert. Erst an einem Stoffrest, und dann am Kleid.

Zur Vorbereitung wurden die Säume mit richtigem Abstand fixiert.
Dann wurde der Stoff in die richtige Form gefaltet und mit dem Kantennähfuß mit gleichem Abstand genäht. Ich besitze nur den Kantennähfuß Nr. 10 und nicht den Blindstichfuß Nr. 5. Aber ich dachte, das sollte doch trotzdem funktionieren und habe einfach mal ausprobiert. Beim Blindstich ist es ja so, dass jeder vierte (oder fünfte) Stich etwas weiter links einsticht und so den Stoff nur leicht erfasst. Leider hat es beim Umbugkante an das Führungsblech anlegen beim Linksstich den Bug meist gerade nicht erwischt. Deshalb habe ich das Führungsblech ganz schmal auf der Bugkante entlang geführt und diese damit zugleich flach gedrückt. So hat es dann wunderbar funktioniert.
Sieht gut aus, die Saumstiche sind nicht zu erkennen. Diese Stoffstruktur bietet sich auch gut dazu an.

Das fertige Kleid

Weihnachtskleid ist es ja nun streng genommen keines geworden, zum Glück hat das Kleid ja bereits einen anderen Namen in Nähbloggerkreisen. Hat doch Frau Küstensocke diesen Schnitt bereits mehrfach sehr erfolgreich umgesetzt, allerdings unter dem Namen Schwanenkleid. Nun reihe ich mich also auch ein in den Kreis der Schwanenkleidnäherinnen.

Der Halslochbeleg ist ebenfalls mit Untersteppnaht in Form genäht. Die Ärmel haben im Schulterbereich zusätzliche Abnäher, die leider in diesem dicken Wollkreppjersey nicht gut einzubügeln sind und für mein Gefühl etwas zu sehr aufspringen.
Die Brustabnäher habe ich nämlich leider etwas zu sehr gebügelt und damit das Kleid eigentlich zerstört. Zum Glück sieht man die glänzenden Stellen in natura nicht ganz so stark wie hier am Foto. Bei den Armabnähern und den Säumen war ich dann vorsichtiger. Dabei habe ich anfangs eine Bügelprobe gemacht.

Das sind leider nicht die einzigen Stellen, mit denen ich nicht glücklich bin am Kleid. Bei der Anprobe kamen dann weitere Mängel zum Vorschein. Der Nacken steht ab und der Zipp macht in der Mitte des Rückens eine heftige Beule. Bevor ich das Kleid also ausführen kann, muss der Zipp nochmal rausgetrennt und neu eingesetzt werden. Und dabei auch gleich das Halsloch an Rückenteilen und Beleg im Nacken verschmälert werden. Da rächt es sich dann wieder, das Nähen ohne Heften und Anproben, auf die letzte Minute eben. Die Fotos vom Kleid an der Frau gibt es nun trotzdem zu sehen, mit Mängeln eben.

Seht ihr die Beulen beim Zipp? Zipp in Jersey, immer mal wieder ein Debakel. Ein paar Stellen und Kanten und Nähte gehören auch nochmal mit viel Dampf in Form gebracht.

Aber es hat Taschen, das Kleid. Und die sind immerhin gelungen. Und es ist dank A-Linie und Wolljersey auch sehr bequem. Bis nächstes Weihnachten wird es dann auch mangelfrei tragbar sein…

Und nun ab damit zum Finale beim WKSA, bevor es auch dafür zu spät ist. In den nächsten Tagen werde ich mir dann auch endlich Zeit nehmen, um die vielen tollen erfolgreichen Weihnachtsgewänder der anderen Damen beim WKSA zu würdigen. Und verabschiede mich mit dem Beweis, dass sich auch dieses Weihnachtskleid wunderbar in meine bisherige Weihnachtskollektion einreiht, zum Barcelona Cape passt es zumindest schon mal.

24 Kommentare

  1. Na, es ist immer noch Weihnachtszeit und das Kleid kann nach Beseitigung der Mängel auch noch jetzt gut getragen werden! Und manchmal kriecht halt der Wurm weiter aber ich bin sicher, er wird noch rausgeworfen werden.
    Danke auch auf diesem Weg für Dein schönes, besonderes Päckchen!
    Guten Start und liebe Grüße
    nina

    • Der Wurm, ja, der wird noch entfernt, und dann ist das Kleid ein angenehmes Winterkleid. Und bitte, gerne, auch ich habe mich über ein besonderes Päckchen und vor allem den besonderen Inhalt gefreut 🙂
      Liebe Grüße, heike

  2. Hallo Heike,
    das Schwanenkleid. Es hat sich gelohnt diesen alten Schnitt wieder auszugraben und mit Taschen ist es noch mal entscheidend verbessert worden. Die kleinen Nickeligkeiten wirst du ausbügeln und dann ist es ein tolles Kleidungsstück.
    Schönes neues Jahr
    Mechthild

    • Das Schwanenkleid war mir natürlich ein Begriff, und doch habe ich die beiden nicht in Verbindung gebracht. Bei Schwanenkleid denke ich ja auch immer zuerst an Björk und ihren denkwürdigen Auftritt in einem Schwanenkleid. Damit hat dieses Schwanenkleid nun natürlich gar nichts gemein. Es ist jedoch ein wunderbarer klassischer Schnitt, der sich auch nach 13 Jahren noch zu nähen lohnt. Ich fürchte nur, dass es mehr als ausbügeln braucht, zumindest was den Nackenbereich und Zipp angeht.
      Dir auch ein schönes Jahr, ich hoffe ihr hattet eine schöne Zeit in Wien, liebe Grüße, heike

  3. Wie schön, Dein Kleid ist fertig geworden! Tolle Idee in die geschwungenen Abnäher noch Taschen einzubauen – das war sicher nicht so einfach.
    Ich drücke die Daumen, dass Du das Kleid gern tragen magst – bei mir steht der Schnitt wieder ganz oben auf der Nähliste. LG Kuestensocke

    • Spät, aber doch wurde das Kleid fertig. Aber es hat sich gelohnt. Es trägt sich sehr angenehm, nach ausmerzen der Hubbel am Rücken wird es sicher öfter mal getragen werden. Der Einbau der Taschen war gar nicht so schwer, der Schwung der Abnäher passt ganz gut dafür. Es könnte auch nicht das letzte Kleid nach diesem Schnitt gewesen sein, du hast ja vorgemacht dass es auch mit Webware umsetzbar ist.
      Liebe Grüße, heike

    • Die letzten Jahre hatte ich knapp vor Heiligabend immer was vorzuweisen, wenn auch nicht immer die ursprüngliche Idee. Silvesterkleid habe ich auch nicht geschafft, aber immerhin auf die letzte Minute 😉
      Liebe grüße, heike

  4. Eine schönes Weihnachtskleid…wie für dich gemacht. ;-))) Nein im Ernst, es steht dir richtig gut und mit Taschen ganz besonders „alltagstauglich“. Mit dem Cape ein richtig edles Outfit.
    Einen lieben Gruß und ein frohes, gesundes und kreatives Neues Jahr wünscht dir, Marita

    • Der Stoff ist eine Erinnerung an Berlin vor genau einem Jahr, ein Designer Leftover von 1000stoff. Uund ich bin sehr froh, dass dieser besondere Stoff und der Schnitt so gut zusammengefunden haben. Und ich das Kleid auch mag, auch an mir. Die Taschen sind hilfreich, ein Kleid ohne Taschen wird weniger getragen. Insofern bin ich froh, nicht aus Bequemlichkeit (beim Herstellungprozess) auf die Taschen verzichtet zu haben. Das Cape ist ja mein gelungenstes Weihnachtsgewand bisher 🙂
      Dir ebenso ein gutes und kreatives und auch gesundes und friedvolles neues Jahr, liebe Grüße, heike

  5. Ich finde dein Kleid richtig schön, schlicht und elegant, den Zipper und den Halsausschnitt schaffst du hoffenltich alsbald, lieben Gruß und ein frohes neues Jahr, lg Anja

    • Die Nachbesserungen werde ich die nächsten Tage angehen, damit ich es bald anziehen kann 🙂
      Dir ebenso ein gutes neues Jahr und liebe Grüße, heike

  6. das Schwanenkleid ist auch mir ein Begriff, immer noch ein schöner, klassischer Schnitt. Ich frage mich, ob das Kleid nicht auch ohne Reissverschluss funktioniert hätte bei dehnbarem Stoff, aber das kann ich so natürlich nicht beurteilen.
    LG Bella

    • Den Gedanken hatte ich auch kurz, aber da der Stoff nur leicht dehnbar ist, hatte ich die Befürchtung dass es zum reinschlupfen und vor allem wieder rauskommen nicht ausreicht und habe besser den Zipp eingenäht. Vielleicht hätte es tatsächlich finktioniert. Ich könnte ja mal mit geschlossenem Zipp testen.
      Liebe Grüße, heike

  7. Ein schönes Kleid MIT Taschen. Die Stelle, wo du sie eingebaut hast, finde ich klasse. Den beulenden Zipper und den Halssauschnitt kannst du sicher nachbessern, aber was mach frau gegen zu heiß gebügelte, glänzende Stellen im Stoff?
    Manchmal ist der Wurm drin, aber Sachen die dann doch fertig werden, sind oft meine allerliebsten. Das hoffe ich jetzt auch für dich. Liebe Grüße Gabi

    • Der Abnäher biegt genau in der richtigen Höhe zur Seitennaht ab, ich finde es unverständlich dass da nicht von Haus aus Taschen vorgesehen sind. Ich habe gerade probiert, ich komme auch ohne Zipp gut in das und aus dem Kleid. Den Halsausschnitt am Nacken werde ich also auf jeden Fall zusammennähen, dann liegt er besser. Ich habe noch einen kürzeren nahtverdeckten Zipp in passender Farbe, den könnte ich zum besseren An- und Ausziehen in der Naht einbauen. Erstmal muss ich jedoch den Zipp heraustrennen. Mit den glänzenden Stellen muss ich wohl leben, das wird sich nicht mehr beheben lassen. Dann wird das ein sehr angenehmes Kleid, das schick aussieht UND bequem ist. Ich mag es jetzt schon.
      Liebe Grüße, heike

  8. Das Schwanenkleid ist mir auch noch ein Begriff, obwohl ich es nie genäht habe und auch gar nicht genau weiß, wo dieser Name her kam…aber Du bringst es mit Deinem schönen Exemplar grade wieder auf meine to-sew-Liste! Die kleinen Mängel, von denen du berichtest, lassen sich doch leicht beheben. Mein erster Gedanke war auch, daß es sicher ohne den rückwärtigen Reißverschluß geht. Das ist ja auch so eine exponierte Stelle, vielleicht wäre auch ein Zipper in einer Seitennaht eine Option. Und Deine Blindstich-Maschinennaht bewundere ich grenzenlos- das ist mir bisher nicht gelungen.
    Liebe Grüße, und ein frohes neues Jahr,
    Barbara

    • Ich wusste vorher auch nicht, wie das Kleid zu diesem Namen kam. Bis ich das Modellfoto in der Borda gesehen habe, das Modell auf einem Schwanentretboot treibend. Dann war alles klar. Und es geht ohne den rückwärtigen Reissverschluss. Hätte ich besser vorher mal probiert. Zipp in Seitennaht wäre eine Option gewesen, da ich die Seitennähte jedoch mit der Overlock genäht habe. werde ich diese nicht mehr auftrennen. Den Zipp muss ich sowieso nochmal trennen, ebenso die Nackenpartie, ich werde also an der Rückennaht optimieren. Die Blindstich-Maschinennaht ging relativ problemlos, da hat die Stoffstruktur aber auch ziemlich Anteil daran. In einem glatten Webstoff würde man die kleinen Einstiche sicher besser wahrnehmen.
      Die ebenso ein gutes neues Jahr, liebe Grüße, heike

  9. Geschafft ist geschafft! Mir gefällt dein Weihnachtskleid sehr gut, aber ja, die RV-Beule würde mich auch ärgern.
    Auf jeden Fall siehst du blendend aus in Kleid (und Cape)!
    LG Miriam

    • Die Zipp-Beule werde ich heute Abend beim virtuellen Nähkränzchen angehen, vielleicht haben die anderen noch bessere Ideen als ich wie man die Rückennaht optimieren kann.
      Danke liebe Miriam und liebe Grüße, heike

  10. Das nächste Weihnachten kommt bestimmt 🙂 Ganz sicher finden sich auch ohne Weihnachten genug Gelegenheiten zum Ausführen. Der Blindstich hat mich sehr interessiert. Ich habe den Fuß noch nie genutzt. Dumm eigentlich. Die Naht sieht perfekt an deinem Kleid aus. Das muss ich unbedingt ausprobieren.
    Ich hoffe die Beule konntest du inzwischen korrigieren.
    Insgesamt bilde ich mir ein, dass SM auch schon genäht zu haben. Ist es ein relativ alter Burda Schnitt?
    LG Birgit

    • Ich habe den Blindstich auch zum ersten Mal ausprobiert. Und frage mich, warum nicht schon früher? Ich habe den Zipp inzwischen heraus getrennt und die Naht zusammengenäht. Ich komme problemlos in das und aus dem Kleid. Nur der Nackenbeleg legt sich noch nicht so wie ich das gerne hätte. Der Schnitt ist von 2012.
      Liebe Grüße, heike

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