Die Lage ist schwarz

Am Termin für den MeMadeMittwoch merkt man dann immer, dass wieder ein Monat rum ist. Wir haben tatsächlich schon August. Es ist zwar immer noch heiß, aber irgendwie schwingt bereits ein Hauch vom Ende des Sommers mit. Dass ich diesmal schwarz trage, hat mit dieser Melancholie jedoch nichts zu tun. Ich trage einfach gerne schwarz.

Sehr lange habe ich sogar ausschließlich schwarz getragen. Seit ich neben Patchwork und Taschen auch wieder Kleidung nähe ist meine Garderobe wieder bunter. Nicht nur, weil schwarz mit zunehmendem Alter immer schwieriger zu verarbeiten ist. Ich mochte Farbe schon immer. Nur eben lange nicht an mir.

Außerdem ist schwarz ein guter Kombipartner. Und genau aus diesem Grund ist kürzlich der heute vorgestellte Leinenrock entstanden. Der Rock ist der Ersatz für einen vielgetragenen Rock aus schwarzem Leinen gleichen Schnitts, der inzwischen sehr abgetragen ist.

Viel getragen, frisch gewaschen und ungebügelt, immer noch sehr im Einsatz

Der Schnitt

So ziemlich der erste Rockschnitt, den ich überhaupt verwendet habe, ist der Cordrock aus der Ottobre Woman 5/2007. Das ist ein Schnitt in A-Linie mit einer breiten Hüftpasse. Den habe ich so oft vernäht, nicht nur in Cord, das schreit nach einem eigenen Beitrag. Heute soll es um den Leinenrock und seinen Vorgänger gehen. Die beide auch nach diesem Schnitt entstanden sind. Der verwendete Stoff ist in beiden Fällen ein recht dünnes, glattes und fein gewebtes Leinen. Das im Falle des ersten Modells mit jedem Mal tragen und waschen weicher und angenehmer zu tragen wurde. Dies und seine gute Kombinierbarkeit führten dazu, dass der Rock zu einem der meistgetragenen Stücke aus meinem Kleiderschrank wurde. Und dementsprechend ist er inzwischen tatsächlich abgetragen und zu einem grau verwaschen. Dem Aufnahmedatum des Fotos in meinem Näharchiv nach hat er mich seit mindestens Juli 2014 jeden Sommer bekleidet. Mehr grau als schwarz ist er bereits seit ein paar Jahren, doch jetzt zeigt er erste aufgewetzte Kanten.

Was habe ich geändert?

Die Gesäßtaschen habe ich noch bei jedem Modell weggelassen und auch nicht vermisst. Ebenso die Gürtelschlaufen. Bei den Leinenröcken sind die Vordertaschen nicht aufgesetzt, sondern nach innen verlegt. Der rückwärtige Rockteil samt dazugehöriger Passe wurde im Stoffbruch zugeschnitten. Der nahtverdeckte Reissverschluss wanderte in die Seitennaht. Das Vorgängermodell hatte ich ursprünglich einlagig, ohne Futter, genäht, war ja als Sommerrock gedacht. Nur die Passe war von vornherein gedoppelt. Allerdings war der Leinenstoff dann doch zu durchscheinend für meinen Geschmack. Also bin ich nochmal los, Leinen nachkaufen. Futterstoff war keine Option. Der Plan war, anstelle von Futter eine zweite Lage Leinen an die innere Passe zu nähen, unten mindestens 5cm vorstehend, so dass ein Lagenlook entsteht. Leider war das ursprünglich verwendete Leinen ausverkauft. Und das stattdessen gekaufte hatte eine leicht andere Textur und Färbung. Ja, auch schwarz kann unterschiedlich gefärbt sein. Also wurde das zusätzlich gekaufte Leinen wie Futter an die innere Passe genäht, ohne unten vorzustehen. Noch heute weisen Ober- und Unterstoff unterschiedliche Färbungen und Ausbleichungen auf.

Rückansicht ohne Mittelnaht. Der RV wurde in die Seitennaht verlegt. Mit den obligatorischen Tragefalten

Als sich dann abzeichnete, dass der Rock langsam in die Jahre kommt, habe ich deshalb vorsorglich gleich, als mir ein sehr ähnlicher Leinenstoff im gleichen Geschäft über den Weg lief, genug davon eingelagert, um den Lagenlook im zweiten Anlauf umsetzen zu können. Und nur ein Jahr später ist der Stoff bereits seiner Bestimmung zugeführt. Meistens lagern Stoffe bei mir erstmal gut ab. Allerdings war ich nach endgültiger Fertigstellung kurzfristig nicht so wirklich überzeugt davon, ob das mit dem Lagenlook so eine gute Idee war. Kurz habe ich ein bisschen gefremdelt. Inzwischen mag ich dieses kleine Detail wieder. Also alles gut und ich glücklich mit meinem neuen Rock.

Und mit meinem ebenso recht neuen T-Shirt aus schwarzem Tenceljersey. Eines von mehreren in unterschiedlichen Farben und Qualitäten, die nach dem gleichen Schnitt entstanden sind. Ein Raglan, von einem vor 3 Jahren in Japan gekauften T-Shirt abgenommen und etwas bequemer gemacht. Aber auch zu den Oberteilen aus Jersey und den verwendeten Schnitten ist ein eigenständiger Beitrag geplant.

Davor werde ich mich jedoch erstmal bei den anderen Beiträgen zum Me Made Mittwoch umsehen und gustieren, was die anderen Nähladies so geschaffen haben.

Das ist drin:

  • Schnitt/Anleitung: Cordrock aus Ottobre Woman 5/2007, mit Veränderungen; Raglanshirt, Schnitt von einem Kaufshirt abgenommen und etwas weiter gemacht.
  • Material: Leinen T.O. Stoffe Graz; Tencel Jersey Stoffgeschichten Graz; nahtverdeckter RV Hirt, Graz
  • Kosten: Material Rock 1 etwa 40€, Rock 2 etwa 50€, T-Shirt etwa 10€
  • Werkzeug: Nähmaschine, Overlock
  • Arbeitszeit: Rock 1 weiß ich nicht mehr; Rock 2 ca 5h; T-Shirt ca 1h

28 Kommentare

  1. Schönes Schwarz! Und ein informativer Beitrag zum MeMadeMittwoch. Fein, dass es noch eine neue Bloggerin gibt! Liebe Grüße Tily

  2. Noch ein nachhaltiges Kleidungsstück! Klasse. Ich mag den Lagenrock. Und ich mag deinen Blog.
    Schöner Gruß Mema

  3. Warum sollte man auch kein Schwarz im Sommer tragen, wenn man sich damit wohlfühlt.
    Die Neuauflage deines Rockes sieht sehr gelungen aus und ich mag ja auch sehr Ton in Ton Outfits.
    LG von Susanne

    • Liebe Susanne,
      Schwarz ist im Sommer tatsächlich eine Herausforderung und trage ich nur, wenn ich mich kaum in der Sonne aufhalten muss. Im verschatteten Büro also durchaus machbar.
      LG heike

  4. Den Rock finde ich klasse!!
    Herzlichen Dank für die ausführliche Beschreibung – ich freue mich ja immer darüber :-)))
    Jaaa, selber nähen können macht sich wieder mal bezahlt – zu Tode getragene Klamotten ersetzten können – das hat was, mache ich auch 🙂
    Schwarz im Sommer, das hatte ich bis vor einigen Jahren auch. Da ich in Deutschlands wärmster Stadt lebe und der Hitze nicht mehr entfliehen kann, weiche ich inzwischen notgedrungen auf andere Farben aus, der noch vorhandene Rest wird getragen bis er auseinander fällt…

    Herzliche Grüsse
    Marion

    • Liebe Marion,
      Es freut mich dass dir mein Rock gefällt. Und ja, schwarz im Sommer trage ich inzwischen auch nur mehr selten, hier im Südosten Österreichs ist es nämlich im Sommer auch gut heiß, vor allem in der Landeshauptstadt.
      LG heike

  5. Wie schön, daß wir Näherinnen geliebte Kleidungsstücke beliebig oft herstellen können. Danke für die ausführliche Beschreibung.
    LG Bella

    • Liebe Bella,
      da tut das aussortieren müssen dann nicht mehr gar so weh. Und wenn zu klein geworden, näht man einfach entsprechend größer 😉
      LG heike

  6. Mit der breiten Passe und den Taschen ist das wirklich ein ganz toller Schnitt. Ich glaube, mit Cord würde ich eher fremdeln, aber aus deinem Leinen super. Ach, das ist doch das Schönste, wenn du ein Lieblingsstück tragen kannst, bis es dir vom Leibe fällt. Liebe Grüße, Gabi

    • Aus Cord ist der Schnitt schon auch toll, braucht dann aber tatsächlich die aufgenähten Taschen. Und die breite Passe verzeiht sogar die im Wechsel zugelegten Gewichtseinheiten, ich konnte tatsächlich nochmal die gleiche Größe nähen wie damals. Die übrigens eine 40 war und ist, habe ich tatsächlich im Beitrag ganz vergessen zu erwähnen.
      LG heike

  7. Toller Rock, an diese Ottobreausgabe kann ich mich noch gut erinnern. Der Rock stand lange auf meiner To-Do- Liste, bis er irgendwann davon verschwinden war. Warum auch immer?
    In der Leinenversion finde ich ihn sehr gelungen, den Lagenlook finde ich sehr passend.

    LG
    Sandra

  8. Ich oute mich auch als Schwarz-Fan! Ist doch eine tolle Farbe, die auch andere Farben schön in Szene setzen kann (Accessoires etc)
    Da muss ich doch gleich mal nach meiner schwarzen Garderobe gucken… liebe Grüße von Ellen

  9. Ach toll! Der Schnitt war damals auf nahezu jedem Blog – auch ich habe 1 oder zwei Röcke danach genäht – einen in grün und einen in rot – schwarz ist nichts für mich und meinen Kleiderschrank 😉 Dein Modell aus Leinen mit dem doppelten Saum gefält mir sehr – edel und schön. LG Kuestensocke

    • Danke liebe Frau Küstensocke. Der erste Rock, den ich mit dem Schnitt genäht habe, war auch grün. Apfelgrün. Musste aber einsehen, dass das keine Farbe für mich ist.
      LG heike

  10. Was für eine schöne Geschichte, daß Du Deinen altern Rock so geliebt hast und ihn wirklich aufgetragen hast! Das ist ja wirklich ein tolles Beispiel für Nachhaltigkeit. Und nur logisch, daß Du den Rock genauso ersetzt hast. Du siehst sehr gut aus im schwarzen Outfit- ich beneide ja die Frauen, denen Schwarz so gut steht!
    LG Barbara

    • Danke liebe Barbara. Und tatsächlich ist der alte Rock noch nicht ganz abgeschrieben, er wird zuhause weiter getragen, bis er auseinanderfällt. Und der neue ist schwer im Büroeinsatz. Und danke für das Kompliment. Eigentlich bin ich ja ein Herbsttyp, aber bei schwarz ignoriere ich das, ich mag mich auch in schwarz 😉
      LG heike

  11. Your skirt is very stylish. It can be paired with any upper top, shirt or blouse. Your black skirt can blend a variety of colors. Love it.<3

    • Danke dir liebe Sarah. Das stimmt. Momentan scheine ich in diesem Rock zu wohnen, ich trage ihn heute schon wieder 😊
      LG heike

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.