Ein Flechtzaun zur Hochzeit

Die Schnappschüsse in Schwarz-Weiß waren nicht der erste Quilt, den ich dezidiert als Hochzeitsgeschenk genäht habe. Genau ein Jahr davor, im Juli und Anfang August 2021, habe ich schon mal einen Quilt genäht und verschenkt. Zufälligerweise wieder ein Design aus dem Buch „Die Grundlagen des Patchworks“ von Elizabeth Hartman. Mit eigentlich viel längerer Vorlaufzeit, und trotzdem wurde es wieder eine Fertigstellung im letzten Augenblick.

Aber mal von vorne. Die Einladung kam etwa 15 Monate im Voraus. Eigentlich mehr als genug Zeit. Und doch war bis zuletzt alles unklar, schließlich waren wir mitten in der Pandemie und große Feiern durften lange gar nicht oder nur stark eingeschränkt stattfinden. Für Anfang August 2021 sah es dann allerdings recht gut aus. Und so habe ich ab Ostern mal dezent beim Besten nachgefragt, was wir denn schenken wollen bzw. ob ein Quilt eine gute Idee wäre. Er kannte die Brautleute, vor allem den Bräutigam, noch besser als ich, schließlich kam die Einladung aus seinem Hobbybrauer Freundeskreis. Und so ein Quilt braucht seine Zeit. Die knapp ist, wenn man Vollzeit arbeitet und zu dem Zeitpunkt gerade ein forderndes Projekt mit vielen Überstunden hat. Angesichts dessen wurde die Idee eines Hochzeitsquilts dann auch verworfen. Um dann plötzlich etwa einen Monat vor dem Fest mit einer zerknirschten Frage wieder aufzutauchen. Es wäre nämlich schon eine schöne Idee. Und weil dem leider nichts abzusprechen war, und mir Unterstützung durch Handlangerdienste wie bügeln etc. zugesagt wurde, habe ich das mit dem Nein-sagen-üben nochmal verschoben.

Das Patchworkmuster

Bei einem derart kurzen Zeitrahmen war dann allerdings nicht mehr allzu viel drin mit Spielereien oder aufwändigen Mustern. Nur Streifen oder große Quadrate gefiel mir allerdings zu diesem Zweck auch nicht. So gerne ich diese schlichten Blöcke mag, für einen Hochzeitsquilt wollte ich doch etwas anspruchsvolleres. Also habe ich Stoffschrank, Patchworkbücher und Inspirationsordner gesichtet. Und wurde gleich im ersten Buch mit dem ersten Modell drin fündig. Dabei hatte mich das Beispiel im Buch bisher nicht so richtig angesprochen. Aber mit den gewählten Stoffen konnte ich mir das plötzlich richtig gut vorstellen. Und der zugrunde liegende Patchworkblock schien sich aufgrund der Streifen annehmbar schnell herstellen zu lassen. Die abwechselnd um 90 Grad gedrehte Anordnung brachte nochmal Pepp in das Ganze. Doch, ja, das Modell „Eingezäunt“ aus dem Buch „Die Grundlagen des Patchworks – 12 Quiltprojekte in frischen Farben“ von Elizabeth Hartman war genau im richtigen Maß gleichförmige Teile in Zuschnitt und Anordnung und doch interessant und anspruchsvoll.

Das Beispiel im Buch

Der zugrundeliegende Patchworkblock ist eine moderne Interpretation des klassischen Rail Fence Blocks. Beim klassischen Rail Fence (Lattenzaun) werden drei bis vier gleich große Streifen zu einem meist quadratischen Block zusammengesetzt. Durch abwechselnd um 90 Grad gedrehte Anordnung entsteht ein Zickzack-Muster, das dem ganzen den Namen gibt. Man kann die Streifenblöcke aber auch zu einem Pinwheel zusammensetzen. Oder, mit 5 Streifen und die äußeren zwei Streifen immer aus den gleichen Stoffen, einen Webeffekt herstellen. Diese Variante wurde hier angewendet. Allerdings mit mehr und innerhalb des Blocks ungleich breiten Streifen. Wobei es im Endeffekt für die inneren 6 der insgesamt 8 Streifen nur drei Breitenmaße gibt, ein schmales und zwei breitere. Es werden immer Paare gebildet aus einem schmalen und einem der breiteren Streifen. In welcher Reihenfolge diese drei Paare innerhalb des Blocks angeordnet werden, ist letztlich egal. Die beiden äußeren Streifen sind immer gleich breit oder eher schmal und immer aus dem auch für das Sashing, also die Einfassung, verwendeten Stoff. Die so entstehenden einzelnen quadratischen Blöcke haben ein Fertigmaß von 30x30cm. 36 dieser Blöcke werden, abwechselnd um 90 Grad verdreht, inklusive eines Einfassstreifens rundum, zu einem etwa 190x190cm großen Quilttop zusammengesetzt. Statt einem Lattenzaun entsteht also ein Flechtzaun.

Die einzelnen Blöcke noch ohne die beiden äußeren Rahmenstreifen

Die Farbauswahl

Ich wollte eine bunte Decke machen, passend für die ganze Familie. Aber nicht knallbunt. Beim Sichten der Patchworkstoffe fiel mir vom Stapel der noch nicht oder nicht wieder in den Schrank einsortierten Stoffe ein Set von 3 Farben des gleichen gepunkteten Stoffmusters in die Hände. Gedämpftes Petrol, leuchtendes Senfgelb und Mittelgrau. Damit ließ sich arbeiten. Statt Gelb, Rot, Grün und Blau also Senfgelb, Weinrot, Mint- bzw. Salbeigrün und Taubenblau mit ein bisschen Petrol, Dunkelbraun und Grau dazwischen. Da hatte der Stoffschrank einiges zu bieten, so dass es nicht zu eintönig wurde. Und die Einfassung inkl. Binding in Uni Petrol. Für die Rückseite wurde ein wegen Nichtverwendung ausgemusterter Bettbezug in Doppelgröße gewählt. Fiel schon mal das Zusammensetzen eines Rückseitenpanels weg, auch ein Vorteil bei der knappen Zeit.

Freihand Quilten mit der Nähmaschine

Die Fertigstellung

Das Zuschneiden ging verhältnismäßig schnell vonstatten. Auch die Kombination der verschiedenen Stoffe untereinander ging erstaunlich schnell, es fügte sich alles wunderbar zusammen. Da brauche ich oft viel länger für die Kombinationen. Und auch das Zusammennähen des Quilttops war an ein paar Abenden erledigt. Der Beste hat tatkräftig mitgeholfen, indem er sämtliche erforderlichen Bügel-Zwischenschritte übernahm. Und auch beim Zusammenstellen und -stecken des Quiltsandwichs mit Hand anlegte. Trotzdem brauchte alles seine Zeit. Auch das Quilten. Die Decke wurde mit der Maschine in nicht allzu engen Schlangenlinien gequiltet. Die letzten Schwünge am Vorabend der Hochzeit. Ebenso wie das Binding angenäht. Die Gegenseite des Bindings habe ich dann am Morgen des Hochzeitstages nicht wie sonst mit der Hand, sondern ebenfalls mit der Maschine angenäht. Foto des fertigen Quilts machen nicht vergessen! Eine Dreiviertelstunde vor der Abfahrt dann noch schnell unter die Dusche und einigermaßen präsentabel hergerichtet, während der Beste die Decke als Geschenk verpackte, und los ging’s. Uffz! Ich bin zwar eine, die erfahrungsgemäß den Zeitdruck braucht, um in die Gänge zu kommen, aber so auf die letzte Minute hätte ich das wirklich nicht gebraucht.

Letzter Schritt: Annähen der Bindinggegenseite

Fun Fact am Rande: Dieser erste Hochzeitsquilt ist das erste Modell in besagtem Buch, der danach produzierte schwarz-weiße Hochzeitsquilt das zweite Modell. Dem Gesetz der Serie nach wäre jetzt dann Modell 3 des Buches dran… Noch ist keine weitere Hochzeit in Sicht. Außerdem habe ich die als drittes folgenden Kleinen Teller bereits mehrmals als Babydecke umgesetzt. Es wird definitiv eine große Decke dieses Musters geben. Irgendwann. Wenn auch nicht unbedingt als Hochzeitsquilt. Mal sehen 🙂

Der fertige Quilt

Und hier ist er nun, der eingezäunte Hochzeitsquilt. Tadaa!

Fertig! Auf die letzte Minute noch ein einziges Foto, eingepackt, verschenkt.

Ihr dürft mir glauben, der nach der Trauung im Weinberg ausgeschenkte Muskatellersekt hat ganz besonders gut geschmeckt! Überhaupt wird diese Hochzeit so schnell niemand vergessen. Dafür sorgte das Gewitter mit Wolkenbruch, das genau während der Trauung im Weinberg niederging. Alle haben sich so gut es ging eng aneinander unter die Sonnenschirme gedrängt und gewartet, dass es aufhört und die Trauung vollzogen werden kann. Danach wieder herrlichster Sonnenschein und Agape im Weinberg, wie wenn nichts gewesen wäre. Und der Ausblick vom Weinberg über das Sausal und Richtung Slowenien war grandios.

Ausblick vom Weinberg

Das Hochzeitsgastgeschenk muss noch unbedingt gezeigt werden: Was ein echter Hobbybrauer ist, der schenkt neben den klassischen Zuckerln (nicht im Bild) ein Pale Ale, geBRAUT vom BRÄUTIGAM!

Das ist drin:

  • Schnitt/Anleitung: Eingezäunt aus dem Buch Die Grundlagen des Patchworks – 12 Quiltprojekte in frischen Farben von Elizabeth Hartman (Haupt, ISBN 978-3-258-60051-2)
  • Material: Vorder- und Rückseite, Binding 100% Baumwolle aus dem Fundus, jahrelang angesammelt 🙂 Batting 80/20 vom Hirt in Graz. Polyestergarn zum zusammensetzen, Baumwollgarn zum quilten
  • Kosten: Material ca. 120€
  • Werkzeug: Nähmaschine
  • Arbeitszeit: nicht Buch geführt, grobe Schätzung 20 Stunden

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2 Kommentare

  1. So viel Arbeit in so kurzer Zeit… Aber er sieht toll aus, sehr stimmig in der von dir gewählten Farbpalette. Ich hoffe, das Brautpaar hat den Aufwand auch zu würdigen gewusst! Liebe Grüße, Gabi

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