Der September ist mal wieder einer dieser Monate mit mehreren Spaziergängen zur Auswahl. Für welchen habe ich mich wohl entschieden?
Wir waren in Basel mit Freunden unterwegs, und wir waren eine Woche im Elsass. Wer das Elsass kennt, weiß dass es dort fotogene Szenerien en masse gibt. Ich hatte also wieder einmal die Qual der Wahl. Für den Monatsspaziergang habe ich mich jedoch nicht für ebenjene Szenerien entschieden, wer die sehen möchte, wird sie demnächst so nach und nach auf dem Reiseblog finden. Textiles hätte ich auch zur Auswahl gehabt, das wird es so nach und nach hier zu sehen geben. Zum Monatsspaziergang im September greife ich ein Thema wieder auf, das es bereits im Februar mal zu sehen gab. Damals mit Beispielen aus meiner Wahlheimatstadt. Nun gibt es Streetart aus Mulhouse zu sehen.
Mulhouse ist nicht so pittoresk wie so viele andere Orte im Elsass. Mulhouse ist eine Industriestadt, und das sieht man ihr auch an. Einen historischen Kern mit gar nicht so wenigen erhaltenen historischen Gebäuden gibt es allerdings doch. Und so haben wir uns nach dem Besuch des Musée de l’Impression sur Etoffes, dem Stoffdruckmuseum, noch Richtung Innenstadt aufgemacht. Immer auch ein bisschen nach Streetart Ausschau haltend, da ich im Reiseführer gelesen hatte, dass Streetart in Mulhouse nicht nur geduldet, sondern sogar gerne gesehen ist und es im ganzen Stadtgebiet viele herausragende Beispiele von Streetart gibt. Gezielt zu bestimmten Orten sind wir allerdings nicht, sondern haben einfach nur die Augen offen gehalten. Deshalb gibt es hier auch nicht die lange Wand am Quai des Pêcheurs zu sehen, und auch nichts vom Parkhaus voll mit Streetart, denn so weit sind wir nicht mehr gekommen. Die gezeigten Beispiele sind jedenfalls chronologisch unserem Spaziergang folgend, so wie sie uns quasi in die Augen sprangen.
Passage de la Demi Lune: Ein Trompe l’oeuil von Christian Chabouté, ein Auftragswerk für die Organisation Le Papillon Blanc.4 rue de la Justice: Jana & JSDer Tour du Bollwerk von 1390 ist eines der ältesten Überbleibsel der ursprünglichen Stadtbefestigung. Erst beim Betrachten des Tour du Bollwerk von außen haben wir dann ein weiteres Trompe l’oeuil an einer Hausfassade entdeckt. Und damit ist nicht die Bemalung am Turm selbst gemeint. Seht ihr es auch?Die linke Stirnseitenfassade ist aufgemalt. Inklusive der Ziegel im Giebeldreieck.Bereits an anderer Stelle sind uns in die Fassade eingearbeitete Schallplatten aufgefallen, in der rue Moselle sind uns dann nochmal weitere untergekommen. Die Recherche ergab Vinyle von KESA. Der Schriftzug von Pierre Fraenkel darüber ist eine Auftragsarbeit der Stadt Mulhouse. Ebenfalls in der rue Moselle ist le M.U.R., ein Wandstück das etwa alle 2 Monate neu gestaltet wird.Im Gegensatz zu so einigen Kunstwerken die unter le M.U.R. im Internet zu finden sind, ist das derzeitige Mural eher enttäuschend.Nicht nur moderne Murals gibt es in Mulhouse, die Stadt hat auch eine ganze Reihe von historischen Fassadenmalereien zu bieten. Das herausragendste ist sicher das historische Rathaus von 1552 am Place de la Reunion.Auch andere Gebäude am Place de la Reunion haben Fassadenmalereien zu bieten. Das rote in der Mitte war einst das Haus der Schneiderzunft, 1564 erbaut und im 19. und 20 Jhdt. umgebaut. Rechts davon das Maison Mieg von 1560 mit Murals von 1799.Dazwischen ein bisschen Art ohne Street. Nicht zum ersten und auch nicht zum letzten Mal dass uns während dieses Urlaubs eine Kunstausstellung in einer Kirche begegnet. Wie hier im Temple St Etienne am Place de la Reunion. Temple bedeutet übrigens, dass es sich um eine protestantische Kirche handelt. Übrigens eine neogotische Kirche von um 1860, die eine Kirche aus dem 12. Jahrhundert ersetzt hat.Ecke Grand Rue und Rue de l’Arsenal. Ein Mural von Vieni Graffiti. Mein Lieblingsmural von den gesehenen. Schaut vor allem, wie sich die Malerei auch über die Fensterläden fortsetzt.Hätten wir besser doch die Rue Gutenberg überquert und hinter das Baumgrün geschaut. Dann hätten wir anscheinend Marilyn Monroe aus einem der aufgemalten Fenster blicken sehen.Ebenfalls Rue de l’Arsenal und Rue Gutenberg. Les Moutons von Yves Carrey. Das letzte verbliebene von ganzen Herde an Schafen.In der Rue des Franciscains haben wir dann direkt gegenüber dem Cour des Chaînes von 1594 diese beiden Trompes l’oeuile gefunden. Die Franziskanerstraße beherbergte ehemals einige Textilmanufakturen, auch im Kettenhof wurden ab 1763 bis ins 19. Jhdt. toiles peintes hergestellt. Ich denke mal dass das weniger bemalte Leinwände als eher gemusterte Stoffe bezeichnet.Noch viel besser als die beiden Murals gefällt mir allerdings die Skulpturenfamilie, die dem Kind das Radfahren beibringt.Rue des Franciscains, gegenüber der Kirche Ste Marie.Rue du Couvent. Murals quer durch die Jahrhunderte in Mulhouse also.Und wir sind wieder am Place de la Reunion angelangt. Kein Mural, sondern ein Plakat, das zur derzeitigen Platzgestaltung mit begrünten Trögen und überdimensionalen Insekten aus Strohgeflecht gehört. Und ich erkenne daraus, dass die Stickgarnfirma DMC ebenfalls aus Mulhouse stammt. War mir so noch nicht bewusst, aber ich bin eigentlich auch keine Stickerin.
Damit ist unser kleiner Spaziergang durch den Altstadtkern von Mulhouse beendet. Aber noch nicht das Thema Streetart und Murals. Denn an zwei weiteren Orten sind wir ebenfalls über Murals gestoplpert. Einmal in Strasbourg, und zwar am Musée d’Art Moderne et Contemperain. Anlässlich des 20-Jahr-Jubiläums des Museumsgebäudes wurde das New Yorker Künstlerduo Faile eingeladen, ein Wandgemälde zu erstellen. Die Wandmalereien tragen den Titel „From the Air we share“ und bedecken mehrere Wände außerhalb des Eingangs und des Eingangshofs.
Die große Wnd außerhalb des Eingangs, die man bereits von der Barrage Vauban aus sieht.Im Eingangshof.Ebenfalls im Eingangshof.
Ebenfalls Schwarz-Weiß, aber anderer Ort. Die folgenden Wandmalereien befinden sich in den beiden seitlichen Eingängen zur Markthalle in Colmar.
Immerhin ein Übergang mit der Verbindung zu New York ist gegeben. Denn der Erschaffer der berühmten Freiheitsstatue, die die Franzosen den USA zum 100. Unabhängigkeitsjubiläum schenkten, der Bildhauer Auguste Bartholdi, stammte aus Colmar. Neben seinem Geburtshaus, nun ein Museum, befinden sich auch viele seiner Werke hier. Und seit 2004 auch eine 12m hohe Freiheitsstatue in einem Kreisverkehr an der nördlichen Stadteinfahrt. Auch Colmar hat ein Klein Venedig bzw. Petit Venise.Alle elsässischen Spezialitäten in der Kuh vereint. Und Störche sowie Storchennester hat es auch viele.
Zum Abschied dann doch wieder etwas Buntes.
Stencil in der rue de l’Ancienne Poste Colmar. Auf dem Weg durch die rue de la Porte-Neuve zum Bahnhof entdeckt. Und sehr passend, denn während dieser Beitrag online geht, verlassen wir das nette Colmar und Elsass und machen uns wieder mit der Bahn auf den Heimweg über Zürich.
Und wo seid ihr unterwegs gewesen in diesem oder Ende des vorigen Monats?