MeMadeMittwoch mit Mantel Marit

Pünktlich zum Wintereinbruch mit Schnee und Eis und Minusgraden habe ich es dann doch endlich geschafft, meinen ziemlich genau vor einem Jahr genähten Mantel fertig zu bekommen. Viel fehlte nicht mehr. Eigentlich nur noch der Verschluss in Form von Knopflöchern und Knöpfen und ein paar Handnähte. Aber genau die Knopflöcher haben mich nahezu ein ganzes Jahr ausgebremst.

Begonnen und nähtechnisch nahezu fertiggestellt habe ich den Mantel letztes Jahr Mitte November bei unserem letztjährigen Nähwochenende in Hohentauern. Und beim MMM im Dezember 2022 unter anderem auch davon berichtet und den Schnitt schon vorgestellt. Es handelt sich um den Mantel Marit aus der La Maison Victor 5/2018.

Genäht habe ich den Mantel aus einem 2019 am Webermarkt Haslach erstandenen Stoffschatz. Damals gab es im Textilen Zentrum noch vor Ort gewebte Wollstoffe aus Wolle heimischer Schafrassen zu kaufen. Im damaligen Beitrag der Petersilien sieht man uns dann auch auf einem Foto genau vor einem Teil der Webstoffe sehen und fachsimpeln, auf einem anderen Foto blitzt mein Stoff aus einem Papiersackerl hervor. Zwischenzeitlich waren Produktion und Verkauf eingestellt, es scheint aber neue Ansätze für eine Weiterführung des Projekts zu geben. Ich jedenfalls mag meinen damals erworbenen Stoff sehr und habe deshalb lange über den passenden Schnitt dafür nachgedacht.

Das Futter hingegen ist 100% Kunststoff. Ein einseitig mit Futterstoff bestepptes Polyestervlies, so etwa aus den 1980er Jahren, vielleicht auch etwas jünger. Und trotzdem ein Stoffschatz. Denn es stammt aus den Beständen der ehemaligen Bekleidungsmanufaktur der Eltern einer Freundin und kam vor wenigen Jahren aus dem Nachlass zu mir. Ganz anders nachhaltig als der Oberstoff.

Der Schnitt des Mantels Marit ist nicht wirklich spektakulär, sondern sehr geradlinig und schlicht. Die Tascheneingriffe heben sich jedoch vom üblichen Schnittrepertoire ab. Genau diese Eigenschaften waren es, die mich für den Schnitt entscheiden ließen. Über Zuschnitt und Nähen habe ich im oben verlinkten Beitrag letztes Jahr bereits berichtet. Und dann lag der Mantel und wartete auf Knopflöcher. Und lag. Und lag. Eingedenk meiner bisher nicht besonders guten Erfahrungen mit der Knopflochautomatik meiner Bernina habe ich mich schlicht und ergreifend nicht drüber getraut. Die setzt nämlich in der Nähe von Rändern und Nahtzugaben immer aus und produziert Fadennester. Und wo werden Knopflöcher normalerweise benötigt? Richtig, an Rändern. Inzwischen habe ich mir so ein teures Zusatzteil zugelegt, ich könnte also mal wieder einen Versuch starten. Der Mantel allerdings hat inzwischen Knopflöcher. Richtig professionelle Knopflöcher. Die ich vom Schneider machen habe lassen. Ich wollte das Risiko des im letzten Augenblick vermurksens einfach nicht eingehen. Anfang Oktober habe ich mich endlich zu diesem Schritt durchgerungen. Es hat dann ein bisschen gedauert, der ursprüngliche Plan mit dem Mantel zum MMM im November ließ sich nicht halten, aber jetzt mit Schnee ist eh besser.

Tadaa, eines der vom Schneider mit Knopflochspezialmaschine hergestellten Knopflöcher. Die Knöpfe habe ich dann wieder selbst von Hand angenäht. Die stammen aus dem Fundus und eigentlich von der Schwiegergroßmutter, wenn ich mich richtig erinnere.
Die Kanten sind inzwischen noch mit Dämpfen besser definiert worden. Und eines der tollen Etiketten von Constanze / Texte + Textilien habe ich dem Mantel auch spendiert.

Die tolle Szenerie bei unserem Sonntagsspaziergang während des diesjährigen Nähwochenendes in Hohentauern, wieder Mitte November, haben wir dann auch gleich genutzt, um Fotos vom Mantel an der Frau zu machen. Bereits beim ersten Spaziergang hat er sich gut bewährt. Und der Kreis schließt sich.

Inzwischen war der Mantel mit beim Kongress des Alten Handwerks im Stift St. Lambrecht in der Obersteiermark, wieder mit Schnee. Mehr als es Mitte November in Hohentauern hatte. Selbst in Graz hat es seit Tagen Schnee und Eis, weshalb ich das Radeln momentan eingestellt habe und mit dem Bus zur Arbeit fahre. Beste Zeit für den Mantel also. Allerdings leider keine neueren Fotos mit Mantel. Vor und nach der Arbeit ist nicht gerade die beste Lichtsituation derzeit.

  • Schnitt/Anleitung: Marit aus La Maison Victor 5/2018
  • Material: ca. 2m Wollwebstoff von der Manufaktur Haslach im Textilen Zentrum Haslach im Mühlviertel; Steppstoff aus dem Nachlass der Mutter einer Freundin
  • Kosten: ca. 120€
  • Werkzeug: Nähmaschine, Overlock
  • Arbeitszeit: ca. 9 Stunden

Warm verpackt begebe ich mich nun hinüber zum MeMadeMittwoch im Dezember, mal sehen wie und mit was die gutgekleideten Frauen in selbstgemachter Kleidung dem herrschenden Winterwetter trotzen.

Und weil mich diese Verschlusssache so gefuchst hat, gibt es jetzt zum Trost das entsprechende Häkchen beim BINGO!

32 Kommentare

  1. Ich bin immer wieder erstaunt, wie anders ein und derselbe Schnitt aussehen kann. Ich hab den Mantel aus einem dicken Doubleface mit Teddyfutter innen genäht, der ist sehr voluminös. Deiner hingegen fällt viel weicher, beides hat was.
    Und auf der Profi-Knopfloch bin ich sehr neidisch. Das ist bei mir immer wieder ein Ärgernis.
    Viele Grüße Anke

    • Das ist ja das Schöne am Selbernähen, dass man zwar den gleichen Schnitt verwenden kann, aber trotzdem ein Unikat hat 😊 Teddyfutter innen stelle ich mir sehr gemütlich vor. Mein Steppfutter ist nicht allzu dick und leider etwas anhänglich. Und wenn ich die Fotos so betrachte, habe ich auch ein bisschen die Assoziation von voluminös. Bringt so ein gefütterter Mantel vermutlich mit sich. Über die Profi-Knopflöcher bin ich sehr froh. Bei meinem Cape werde ich den Versuch selbst wagen, ich hoffe, es gelingt besser mit dem neuen Verbesserungs-Tool.
      Liebe Grüße, heike

    • Das ist ein ganz wunderschöner Mantel geworden. sehr klassisch aber ich mag ja diesen Schnitt und finde, dass er uns Frauen schmeichelt.
      Deine Stoffauswahl ist auch so gut! Beim ersten Gucken dachte ich, es ist ein Rosa Ton. Aber beim genauer Hinschauen sieht man die Raffinesse des Stoffes.
      Ich glaube Dir sofort, dass Du den häufiger anziehst. Nicht nur wg dem Wetter!
      Von dem wirst Du lange was haben
      Schönen 🎅 und liebe Grüße
      Nina

      • Klassisch mit einem besonderen Detail. So mag ich das 😊
        Rosa wirst du bei mir eher nicht finden 😉 Mir ist allerdings klar, dass Rot und Natur klein gemustert auf die Ferne wie Rosa wirkt. Macht nix 😉 Ich bin jedenfalls froh, dem Stoff endlich eine würdige Form gegeben zu haben.
        Dir auch einen schönen Nikolo und liebe Grüße, heike

  2. Bei der großartigen Kulisse fällt es fast schwer, sich auf den Mantel zu konzentrieren 🙂 Ein toller Stoff und der ideale Schnitt dafür – die Knopflochangst kann ich gut nachvollziehen, aber auf die Idee, es professionell machen zu lassen, wäre ich nie gekommen; das ist wohl dieser Effekt von den Bäumen, die man vor lauter Wald nicht sieht. Jetzt sind die Knopflöcher echt perfekt und die Knöpfe passen sehr gut dazu.

    Liebe Grüße, Anne

    • Ich glaube es war Julia von piek&fein, die mich mit ihrem Beispiel vor einiger Zeit auf die Idee brachte. Und dass ich beim Schneidertag im Freilichtmuseum Stübing letztes Jahr eine Schneiderin kennengelernt habe. Da war die Hemmschwelle dann kleiner. Und der Anspruch, alles selbst zu machen, war nach fast einem Jahr unerledigt zu liegen auch nicht mehr so hoch 😉
      Die Kulisse ist toll, finde ich auch. Und lenkt ein bisschen von Tragemängeln ab 😉
      Liebe Grüße, heike

  3. Ich finde es genau richtig, die Knopflöcher (oder anderes, Gürtel beziehen z.B.) professionell zu ergänzen. Ich hätte mich jetzt allerdings bei dem Mantel an Paspelknopflöcher gesetzt, mit ein bisschen Üben (oder auch nicht) sehen die einfach noch besser aus. Da braucht es nicht mal eine perfekte Maschine, allerdings ein paar Handnähte. Trotzdem gut,d ass der Mantel vor dem Winter fertig ist, blöd, wenn sowas lange rumhängt, lg Anja

    • Es war mein erster Versuch, einen Wintermantel zu nähen. Insofern war der Schnitt gut. An Paspelknopflöcher habe ich erst verspätet gedacht, da war ich schon recht weit und wollte nicht mehr ändern. Beim nächsten Mantel dann 😉
      Liebe Grüße, heike

  4. Wie du strahlst! In diesem wunderschönen Mantel, der dir sehr sehr gut steht und vor dieser Kulisse ist im Grunde auch nichts anderes möglich.
    Dein Zögern bei den Knopflöchern kann ich gut nachvollziehen. Ich habe mir mit den Löchern letzten Winter einen Mantel beinahe ruiniert und bis jetzt sind die Löcher nur proforma genäht, aber nicht geöffnet.

    LG Miriam

    • Die Kulisse ist toll, finde ich auch 🙂 Ich dachte mir, das mit dem neuen Tool und den Knopflöchern probiere ich lieber mit etwas nicht ganz so voluminösen wie 2 Lagen Mantelstoff aus. Mit dem Cape zum Beispiel…
      Liebe Grüße, heike

  5. Sehr schick geworden, auch nicht zu voluminös, finde ich. Gute Lösung, auch mal einen Profi hinzuziehen, warum auch nicht? herzliche Grüße Tily Ideal

    • Danke liebe Tily 🙂 Ich bin sehr froh, mir endlich eingestanden zu haben, dass ich nicht bis aufs Letzte alles selbst machen muss. Mit der Knopflochmaschine vom Profi kann meine Haushaltsmaschine, so gut sie ist, einfach nicht mithalten.
      Liebe Grüße, heike

  6. Ach wie schön dass du Wollstoff aus Haslach gekauft hast (schon wieder total vergessen) und zu diesem tollen Mantel Vernäht hast. ich fand es beim letzten Webermarkt extrem schade, dass da kein Stückchen Stoff mehr zu sehen war. Aber auch schön zu hören, dass es neue Pläne gibt. Wolle ist ein viel zu tolles Material um nicht wieder mehr und breiter verarbeitet und eingesetzt zu werden.
    liebe Grüsse Sabine

    • Beim Kongress des Alten Handwerks Ende November ging es ganz viel um Wolle. Da wurde hoffentlich einiges angestoßen. Und von anderen Teilnehmern habe ich gehört, dass es vielleicht weiter geht mit dem Projekt Wollwebstoffe aus Haslach. Schön wäre es.
      Ich hoffe, ein Besuch beim Webermarkt klappt auch endlich mal wieder. Es war sehr nett damals bei und mit euch.
      Liebe Grüße, heike

  7. Der Mantel ist toll geworden, vor allem weil es Dein erster Wintermantelversuch war. Mir gefällt, dass Du Knöpfe mit Geschichte genutzt hast.
    Und ich stimme Anne zu, man kann sich bei dieser Traumkulisse kaum auf Deinen Mantel konzentrieren.

    VG
    Sandra

    • Ablenkung von eventuellen Passformmängeln gelungen 😉 Alles an diesem Mantel hat eine Geschichte, da war es dann auch stimmig, dass die am besten passenden Knöpfe welche aus dem Familienfundus waren.
      Liebe Grüße, heike

  8. Das ist ein unglaublich toller Mantel mit einer tollen Geschichte und einem schönen blogpost. Auch mega schöne Bilder dazu, das begeistert… lg Sarah

    • Danke liebe Sarah 😊 Die schönen Bilder sind meiner Schwägerin und Gabi made with Blümchen zu verdanken. Die haben mich erstens von der Nähmaschine losgeeist und zweitens das Fotografieren zu einem Spaß gemacht 😊
      Liebe Grüße, heike

  9. WOW, der Schnitt des Mantels ist großartig (ich muss mal in der Schublade kramen, ich glaube, diese Ausgabe der LVM habe ich auch noch irgendwo…) und der Stoff ein wahres Schätzchen, den würde ich auch sofort tragen. ♥ Ich habe vor diesen letzten Schritten beim Nähen, die ggf. alles verhunzen können, auch allergrößten Respekt und so finde ich deine Lösung, die Knopflöcher vom Schneider setzen zu lassen, mehr als clever.
    Herzensgrüße
    Anita

    • Den Mantelschnitt kann ich empfehlen, die Taschenlösung ist ein Hingucker. Allerdings muss man ein paar Nähte setzen, sonst klappen sie zu sehr nach außen. Und das nächste Mal lasse ich nicht so viel Zeit verstreichen, bis ich abgebe 😉
      Liebe Grüße, heike

  10. Jetzt nähst du auch noch Mäntel! Und sooo schöne! Sieht super aus und steht dir voll! Bussi von der begeisterten
    Elke!

    • Danke liebe Elke 😊 Die ganz große Kunst des Mantel nähens mit Verstärkungen an den richtigen Stellen (ich sag nur Ärmelfischchen) war das noch nicht, aber für einen ersten Versuch ist er gut gelungen finde ich 😊
      Big Hug heike

  11. Toll dein Mantel. Fotografiert vor einer grandiosen Kulisse. Ich lieb es!!! Dieser Mantelstoff haut mich total um. Was ist das für eine wunderbare, wunderschöne Qualität! Der Würde mir auch gefallen. Gleich mal gegoogelt. Im Webshop haben sie gar keine Stoffe … wie schade! Genieße den Winter in deinem tollen Begleiter! liebe Grüße von Ellen

    • Leider haben sie die Produktion dieser tollen Webstoffe mit Wolle heimischer Schafrassen aufgegeben. Anscheinend pensionsbedingt. Deshalb ist auch im Webshop nichts zu finden. Ich finde es auch sehr schade. Da waren wirklich schöne Stoffe dabei, und preislich durchaus günstig. Um nicht zu sagen eigentlich zu billig für den erforderlichen Aufwand. Ich hoffe ja, dass es dort auf die eine oder andere Art wieder weitergeht mit den Wollstoffen. Die Maschinen sind ja nach wie vor vorhanden.
      Liebe Grüße, heike

  12. Liebe Heike,
    dein Mantel sieht ganz wunderbar aus. Die Idee, die Knöpfe beim Schneider machen zu lassen, war genial. Für das Winterwetter bist du jetzt gut gerüstet.
    Meine Marit Liebe ich auch sehr, leider hat sie die beste Zeitschon hinter sich.

    LG, Heike

    • Den Winterwettertest hat er bereits gut bestanden, mein Mantel. Wenn deine Marit ihre beste Zeit schon hinter sich hat heißt das sie wurde gern und oft getragen. Das kann ich mir gut vorstellen, auch bei meiner 😊
      Liebe Grüße, heike

  13. Der Mantel ist toll geworden und die Kulisse traumhaft. Knopflöcher sind immer das Letzte, was man noch nähen muß und so schwierig. Was für eine gute Idee, das von einem Profi machen zu lassen. LG Gabi

    • Die Knopflöcher sind oft das Detail, mit denen man ein Nähstück noch ganz zuletzt verhunzen kann. Beim Mantel wollte ich das Risiko nicht eingehen. Beim Cape versuche ich dann mal wieder mein Glück.
      Liebe Grüße, heike

  14. Oh wow, der Mantel ist ja Schick! Stoff und Schnitt harmonieren perfekt und wären auch genau mein Beuteschema. Überhaupt juckt es mir gerade in den Fingern, auch an der Nähmaschine mal wieder ein größeres Projekt anzugehen… danke Dir fürs Stupsen!

    • Sehr gerne. Der Mantel wird derzeit bei so ziemlich jedem Draußen getragen. Selbst bei Nieselregen hat er sich bewährt. Und er ist nicht allzu schwer zu nähen. Als Einsteigerprojekt für einen Mantel eine gute Wahl.
      Liebe Grüße, heike

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