Monatsspaziergang mit erstem Schnee in Hohentauern

Eigentlich waren wir ja zum Nähen in Hohentauern. Denn wie seit einigen Jahren jeden November waren wir auch in diesem November wieder für ein Wochenende mit Nähmaschinen und diversem anderen Zubehör im Chalet eines Freundes und hatten eine schöne Zeit. Und normalerweise ist es echt schwer, die eine oder andere von der Nähmaschine loszueisen. Am Samstag war es eher trüb, zwischendurch schneite es sogar. Der Schnee war hübsch anzusehen, blieb aber nicht wirklich liegen. Perfektes Drinnenbleibwetter also. Die Nähmaschinen glühten. Am Sonntag lockte herrlicher Sonnenschein und die Aussicht auf frische Bergluft und ein bisschen Schneegeglitzer. Also haben wir uns wie bereits bei 12 von 12 angedeutet zu dritt der Verlockung ergeben und einen herrlichen zweistündigen Spaziergang gemacht. Bergpanorama inklusive.

Ui, da mag aber jemand so gar keine Mitmenschen. Die Bergspitze im Hintergrund gehört zum Triebenstein.
Alles vorbereitet fürs Christkind.
Wir entscheiden uns an der Gabelung für den zunächst parallel zum Hang verlaufenden Weg und genießen das Bergpanorama. Einer der Gipfel ist der Große Bösenstein, nur welcher? Kleiner Bösenstein und Großer Hengst wären auch noch im Angebot.
Wenden wir uns lieber den Fakten zu. Und zufälligerweise ist der am linken Rand der Hinweistafel dargestellte Rundweg auch ziemlich genau die Runde, die wir auch gegangen sind.
In die eine Richtung das gezeigte Bergpanorama, in die andere Richtung aufgelassene Bergarbeiterunterkünfte. In Hohentauern wurde mindestens seit 1641 und das gesamte 20. Jahrhundert hindurch dann im großen Stil untertägig Magnesit abgebaut. Der Abbau wurde 1997 eingestellt. Um laut Infotafel 2013 obertägig wieder begonnen zu werden. Diese Wohnhäuser wurden vermutlich 1910 errichtet.
Bei genauerem Hinsehen bemerkt man dann, dass die Häuser zunächst aus Blockbohlen gefertigt und dann noch mit Brettern verschalt wurden. Im Inneren hat der Zahn der Zeit schon ziemlich genagt, die fehlenden Fensterscheiben hatten da vermutlich keinen unwesentlichen Beitrag.
Auch auf der Rückseite mit dem Eingangserker sieht es nicht besser aus.
Das Zugang-durch-gekreuzte-Ski-verbieten-Thema zieht sich durch
Das Nebengebäude sieht auch nicht viel besser aus.
Die Natur erobert bereits wieder die asphaltierte Zufahrt zu den beiden Häusern.
Und wir setzen unseren Spaziergang fort.
Langsam geht es bergab Richtung Bergbau- und Höhlenwelt und Wasserwelt.
Wenn man den zunächst richtig scheinenden aber letztendlich falschen Weg weiter nimmt, bleibt nur der selbstgewählte Weg den Abhang hinunter. Und die Überquerung des gar nicht so schmalen Baches mittels zum Glück vorhandener Seilbrücke. Wir sind auch alle 3 trockenen Fusses auf der anderen Seite angekommen.
Eine Ahnung von Winter im Waldabschnitt.
Kleine Rast in der Sonne auf der Herzerlbank.
Spätestens hier weiß man dann, warum dieser Abschnitt des Wegs Wasserwelt heißt.
Fast schon kitschig, dieses Foto mit Spiegelung und Steg.
Das Pfahlbaudorf ist auch bereits in Winterruhe. Und der See ist nicht der gleiche wie am obigen Foto, sondern der durch einen Damm mit Straße getrennte nächste. Nicht vom Berg im Hintergrund täuschen lassen.
Aus dem Graben mit den vielen Weihern und kleinen Seen wieder auftauchend geht der Blick zurück zu den beiden aufgelassenen Bergarbeiterwohnhäusern. Und auch der Gipfel des Triebenstein ist wieder gut im Blick.
Das Ortsschild setzt bereits Moos an 🙂
Auf den letzten Metern und das Chalet bereits im Blick kann man auch noch mal das volle Bergpanorama der Triebener Tauern genießen.

Den Rest des Tages war dann tatsächlich wieder Nähen angesagt. Und unser Spaziergang mit verschneiten Bergspitzen wandert nun zum Monatsspaziergang im November bei Kristina Schaper. Mal sehen, wo die anderen Teilnehmer*innen im November herumspaziert sind. Es war mir wie immer eine Freude.

19 Kommentare

  1. Das ist ja ein Spaziergang fern süßlicher Alpenromantik! Sehr aufschlussreich! Aber die romantische Seele bekommt zum Glück ja auch ein paar entsprechende An- & Aussichten!
    Danke fürs Mitnehmen!
    Astrid

    • In Tourismusgebieten ist die Alpenromantik mit all der erforderlichen Infrastruktur schon lange flöten gegangen, hat es oft den Anschein 😉 Die Häuser kannte ich bisher nur aus der Ferne, wir waren überrascht wie desolat sie von Nahem waren. Die Info zum Magnesitbergbau war auch für uns aufschlussreich, war uns so auch nicht bewusst. Haben wir bisher doch das Panorama eher fleißig nähend aus den Fenstern bewundert und wenn dann nur kurze Spaziergänge direkt zum Pfahldorf und wieder zurück unternommen.
      Danke fürs Begleiten und liebe Grüße, heike

  2. Da habt Ihr aber einen besonderen Gang gemacht. Vor allem das verfallende Haus hat es mir ja angetan (so schade drum)
    und was man alles schnell mit alten Skiern anstellen kann.
    Übrigens, die Natur mal manchmal einfach so schöne, für uns schon kitschig anmutende Bilder.
    Danke fürs Mitnehmen und liebe Sonntagsgrüsse
    Nina

    • Gabi hatte ja gleich Ideen zur Nutzung des Hauses 😉 Vor kurzem habe ich in der Grazer Neuen Galerie eine Ausstellung mit Landschaftsmalereien des Biedermeier gesehen, da musste ich bei dem kitschig anmutenden Foto dran denken. Die Assoziation kam auch erst beim Bild auf, in natura war die Szenerie einfach nur schön 🙂 Ich hoffe, bei Dir sind alle wieder gesund? Ich habe das Kommentierproblem aus Zeitgründen immer noch nicht in den Griff bekommen.
      Danke fürs Begleiten und liebe Grüße, heike

      • ich habe mich auch mit dem Problem ums Kommentieren zu wenig noch Mal beschäftigt
        sorry
        so wirklich rund läuft das nicht , auch andere können es nicht oder nur nach dem 2. oder 3. mal
        Und sorry für die verspätete Antwort 😊
        Liebe Grüße noch einmal
        Nina

        • Man muss sich tatsächlich anmelden, wenn man selbst einen WP-Blog hat. Komische Taktik von WP.
          LG heike (die das ganze Wochenende textilmäßig unterwegs war und gerade ziemlich geflasht ist)

  3. Als Erstes fallen mir der wunderbar blaue Himmel, das tolle Bergpanorama, die schneebedeckten Berggipfel und die eindrucksvollen Seeblicke auf…wie klasse, dass ihr euch von den Nähmaschinen loseisen konntet und diese schöne Spazierrunde unternehmen konntet. Über die Lost Places mit ihrer Geschichte hast du sehr informativ berichtet und anschaulich bebildert.
    Danke dir für diesen Ausflug in die Berge.
    Ich wünsche dir einen gemütlichen Abend – lieben Gruß von Marita

    • Das Wetter war einfach viel zu schön, um es nur von drinnen zu bewundern. Obwohl es wirklich schwer war, sich loszureissen, war mein Nähplan für das Wochenende doch gut gefüllt. Aber so habe ich textilen Kontext und Monatsspaziergang unter einen Hut gebracht 😉
      Lost Places sind wohl diesmal beim Monatsspaziergang mein Thema. Habe ich doch von den geplanten Beiträgen über unseren Kurzurlaub in Triest am Reiseblog auch den Lost Place Porto Vecchio ausgewählt.
      Dir auch einen schönen Abend noch und liebe Grüße, heike

  4. Guten Morgen liebe Heike,
    was für ein interessanter Bergspaziergang. Der Himmel ist ja so etwas von blau… das gibt es wohl nur in den Bergen.
    Danke dir sehr fürs Mitnehmen.
    Liebe Grüße vom Niederrhein
    Tina

    • Am Tag zuvor Wolken und Nebel und Schnee, die Bergspitzen kaum zu sehen. Und am nächsten Tag dann strahlender Sonnenschein und blauer Himmel. Schön war’s 😊
      Danke fürs mitspazieren und liebe Grüße, heike

  5. das „fast schon kitschige“ alpenpanorama gefällt mir schon sehr, auch wenn ich schnee jetzt noch nicht haben muss – auch bitte noch keine weihnachtsdekoration. eine interessante gegend, die nicht nur aufgehübscht ist, sondern auch aufzeigt, dass dort viel gearbeitet wurde. schade um diese alten unterkünfte, sie wären wirklich ein projekt wert. ein museum über den magnesit-abbau mit café könnte ich mir schon gut vorstellen.
    ich glaube, ich hätte mich geweigert, über dieses seil zu gehen ;))!
    liebe grüße von mano

    • Landschaft im Schnee ist schon schön. In der Stadt brauche ich den Schnee auch nicht, ich habe ihn gerne dort oben zurückgelassen. Beim Schild mit dem Magnesit Café gibt es Höhlen und Info zum Bergbau, da war nur wegen Winterruhe geschlossen. Und die Alternative zur Seilbrücke wäre verschneiten Abhang wieder hoch oder am aufgeweichten Bachufer ein gutes Stück wieder zurück gewesen, mangels Weg kein Vergnügen. Es war dann weniger schlimm als befürchtet 😉
      Liebe Grüße, heike

  6. Ja die Winterstimmung auf Deinen Bildern finde ich klasse und die Fotos mit Bergen, Schnee und See sind einfach grandios, aber hier brauche ich jetzt noch keinen Schnee 😉
    Mir geht es wie Nina das verfallene Gebäude finde ich ganz besonders reizvoll, liebe Grüße
    Kirsi

    • Das verfallene Gebäude war das Tüpfelchen auf dem i zu einem aufgrund des Wetters und Panoramas sehr schönen Spaziergangs 😊
      Liebe Grüße, heike

  7. Was für ein schöner Spaziergang in winterlicher Stimmung. Hat man die verlassenen Bergmannswohnungen tatsächlich an der Front mit Fotos verziert und läßt sie dann vor sich hin vergammeln?
    Wie praktisch, daß es genau an der richtigen Stelle eine Hängebrücke über den Bach gab. Wir hatten mal in der belgischen Eifel auf einem offiziellen Wanderweg nur einen Baumstamm. Da bin ich lieber barfuß durchs Wasser gewatet, das war es aber etwas wärmer und das Wasser war nicht so tief.
    LG Gabi

    • Du hast es denke ich genau erfasst. Bzw. ist meine Vermutung dass man mit den Fotoscreens vom ärgsten Verfall ablenken will. Vielleicht ist es auch eine Eigentümergeschichte, und die Gemeinde versucht ein bisschen Behübschung von Fremdeigentum mit geringen Mitteln.
      Die Brücke war tatsächlich an genau der richtigen Stelle. Und Gabi ist vorangesprungen, wir sind erst den Abhang hinab gefolgt als klar war dass es einigermaßen weitergeht 😉 Nachdem ich in Island durch einen eisigen Bach gewatet bin, war meine Bereitschaft endenwollend das Experiment inklusive nasser Strumpfhose zu wiederholen 😉
      Liebe Grüße, heike

  8. Deine Worte entfachen eine wohltuende Vorstellung von verschneiten Landschaften und knirschendem Schnee unter den Stiefeln.
    Es ist, als würde man selbst neben dir durch die weiße Pracht wandeln und die frische Winterluft einatmen. Deine Begeisterung für die Natur und die kleinen Freuden des Lebens ist ansteckend.
    Liebe Grüße,
    Meike

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