Monatsspaziergang im Februar 2026

Da der 1. Februar ein Sonntag war, ist der 3. Sonntag im Februar folgerichtig der 15. Zum Glück habe ich noch rechtzeitig drangedacht, dass der Monatsspaziergang so früh im Monat ist. Und das gleiche Spiel gibt es dann im März nochmal. Hat natürlich den Vorteil, dass länger verlinkt werden kann, da das Linktool ja immer bis zum Monatsletzten geöffnet ist.

Diesmal habe ich mir überlegt, dass ich mal ein bisschen Streetart zeigen kann. Es gibt einige Bereiche in Graz, wo Streetart gehäuft vorkommt, und dazwischen auch noch vereinzelte Stellen. Im Internet findet man diverse Routen dazu. Ich bin extra mit dem Fahrrad losgezogen, da die Standorte nicht ganz nah beieinander liegen. Habe mich dann jedoch nur für einen kleinen Bereich entschieden, denn auch so habe ich die maximal 25 Fotos für den Monatsspaziergang locker zusammenbekommen. Das Taggerwerk und so hebe ich mir für ein andermal auf. Für diesen Monatsspaziergang im Februar habe ich mich auf Gries um die Feuerbachgasse konzentriert.

Und bin am Weg dorthin gleich mal bei der Keplerbrücke stehengeblieben. Denn das Gebäude der Energie Steiermark im Zwickel zwischen den beiden Fahrbahnen des Kaiser-Franz-Josef-Kai und der Wickenburggasse zieren ebenfalls einige Graffiti.

Die rote Katze mag ich, weil sich in der Sonnenbrille der Uhrturm spiegelt.
Kein Graffiti, aber doch irgendwie Streetart. Die Tür zur Werkstatt eines Malers und Anstreichers. Ebenfalls Kaiser-Franz-Josef-Kai.
Nächste Station Josefigasse, Ecke Keplerstraße.
Josefigasse

Über Josefigasse, Marschallgasse und Vorbeckgasse bin ich dann zum Platz der Freiwilligen Schützen geradelt. Dort habe ich das Fahrrad abgesperrt und bin eine Runde gegangen. Mein Spaziergang führte mich durch die Maria-Stromberger-Gasse, Dreihackengasse, Rösselmühlgasse, Ägydigasse, Sterngasse, Griesgasse, Feuerbachgasse wieder zurück zum Platz der Freiwilligen Schützen.

Maria-Stromberger-Gasse? Der bisher als Kernstockgasse benannte Straßenzug wurde am 1. Februar 2024 in Maria-Stromberger-Gasse umbenannt, trägt also seit ziemlich genau einem Jahr einen neuen Namen. Eine 2014 durch Gemeinderatsbeschluss eingesetzte Straßennamenkommission hatte die Kernstockgasse wie etwa 20 weitere Grazer Straßennamen im März 2018 als „schwer problematisch“ eingestuft. Ottokar Kernstock (1848-1928) war Priester und deutschnationaler Dichter, sein Text „Deutschösterreichische Volkshymne“ von 1920 wurde von 1929 bis 1938 als Bundeshymne eingesetzt, sein „Hakenkreuzlied“ von 1923 wurde nach dem Anschluss 1938 von den Nazis für Propaganda verwendet. Die damalige schwarz-blaue Rathauskoalition entschied 2019 gegen eine Umbenennung, erst mit dem Wechsel zu Rot-Rot-Grün nach den letzten Gemeinderatswahlen kam die Umbenennung in Gang. Den bisher recht wenigen nach Frauen benannten Grazer Straßen wurde eine weitere hinzugefügt, eine Widerstandskämpferin gegen die Nazis noch dazu. Am Zusatzschild unter dem Straßenschild ist zu lesen:

Maria Stromberger 1898 – 1957. Krankenschwester, Widerstandskämpferin. Die gebürtige Kärntnerin lebte und arbeitete von 1914-1935 in Graz, ehe sie nach Bregenz ging und dort eine Krankenschwester-Ausbildung absolvierte. 1942 ließ sie sich nach Auschwitz versetzen, wo sie im Krankenrevier des Konzentrationslagers ihren Dienst versah und die illegale Widerstandsgruppe „Kampfgruppe Auschwitz“ unterstützte.

Etwas ausführlicher kann man über den „Engel von Auschwitz“ auf Wikipedia nachlesen.

Kleine Anekdote am Rande: Die Diskussion über die Kernstockgasse und weitere bedenkliche Straßennamen schwelt schon länger und eine Forderung nach Umbenennung kocht immer mal wieder hoch. So wurde im April 2014 im Rahmen einer Kunstaktion die Kernstockgasse als Curt-Cobain-Gasse inklusive Gedenktafel beschildert.

Maria-Stromberger-Gasse
Maria-Stromberger-Gasse
Pfarrkirche St. Andrä am St. Andrä-Platz, Ecke Maria-Stromberger-Gasse, Dominikanergasse und Dreihackengasse. Seit 1999 laufende Auseinandersetzung mit zeitgenössischem Kulturschaffen unter dem Label Andrä Kunst, die Fassadengestaltung von 2010 stammt von Gustav Troger.
Unerwartet ein Stück der Ausstellung des steirischen herbstes 2025 im Außenraum von St. Andrä angetroffen. Den im Oktober 2025 als Monatsspaziergang geplanten Rundgang durch die Ausstellung im Bau habe ich dann nie gezeigt, hatte ich doch im Oktober und im November noch andere interessante Monatsspaziergänge. Illya Pavlov, Piece (2025)
Dreihackengasse
Rösselmühlgasse Ecke Dreihackengasse. Postgarage. Veranstaltungszentrum. Momentan ist eine Suche nach Weiternutzungskonzepten für die ehemalige Postgarage und den benachbarten Komplex und Gelände der Rösselmühle im Gange.
Rösselmühlgasse
Feuerbachgasse
Feuerbachgasse, Richtung Griesgasse
Feuerbachgasse, Richtung Platz der Freiwilligen Schützen und Belgiergasse.
Platz der Freiwilligen Schützen
Am Bad zur Sonne Sgraffito statt Graffito: Ernst Reno Jungel, Familie mit Sonne und Wasser, 1958, denkmalgeschützt.

Und damit sind wir wieder am Ausgangspunkt unseres Spaziergangs angelangt. Am Heimweg haben wir noch kurz an der Hauptbrücke haltgemacht und sind zum City Beach hinabgestiegen. Die Graffiti dort sind derzeit aber nicht besonders, vor allem verglichen mit den im Jänner 2024 gesehenen Gorillas. Mehr als genug Fotos habe ich außerdem.

Und jetzt freue ich mich auf eure Monatsspaziergänge.

You are invited to the Inlinkz link party!

Click here to enter

21 Kommentare

  1. Guten Morgen liebe Heike,
    nun bin ich gespannt, wie viele dieser Graffiti ich im Sommer sehen werde.
    Denn wir haben unseren Urlaub gebucht, darunter auch ein paar Tage in Graz.
    Allerdings denke ich, werden wir wohl erstmal die touristischen Höhepunkte abklappern…
    Ich freue mich drauf!
    Und werde bis dahin noch einige Male auf Deinem Blog stöbern.
    Dir einen schönen Sonntag, lieben Gruß
    Nicole
    die heute auch wieder bei den Spaziergängen dabei ist…

    • Die gezeigten Graffiti sind noch recht zentrumsnah, da besteht durchaus die Möglichkeit. Aber mit den Highlights werdet ihr eh erstmal gut beschäftigt sein. Unbedingt Doppelwendeltreppe, Landhaushof und Schloßberg mit einplanen. Und Schloss Eggenberg 😊
      Liebe Grüße, heike

  2. Ich bin großer Fan von Streetart, danke für’s mitnehmen. Falls es mich dieses Jahr spontan nach Graz verschlagen sollte, werde ich unbedingt Ausschau nach den Werken halten.
    Am besten gefällt mir die rote Katze. 🙂
    Liebe Grüße, Katja

    • Die rote Katze gefällt mir auch mit am besten. Und ich muss unbedingt mal zum Taggerwerk, da gibt es auch so einiges an Streetart, leider ist es eher am anderen Ende der Stadt von mir aus gesehen.
      Liebe Grüße, heike

    • Es war eine nette kleine Runde um den Block quasi. In weiteren Gassen dort in der Nähe sollte es auch noch Streetart geben. Ich denke da gibt es noch einiges zu entdecken.
      Liebe Grüße, heike

  3. Hach, ich mag ja gut gemachte Streetart, liebe Heike und gerne habe ich dich auf deinem interessanten und bunt bebilderten Rundgang begleitet. Hier im Örtchen gibt es davon kaum Sehenswertes und für die East Side Gallery in Berlin hatten wir letztes Jahr zu wenig Zeit. Ich möchte aber unbedingt noch zur Banksy Ausstellung in Dortmund, die im Januar 2024 in Köln besuchte hat mir sehr gefallen.
    Nun wünsche ich dir eine gute Woche – verschneite Grüße von Marita

    • Ihr habt Schnee? Bei uns ist es zwar wieder kalt geworden, aber von Schnee keine Spur. Auf den Straßen muss ich eh keinen mehr haben, aber so in der Landschaft…
      In Venedig vor etwa dreieinhalb Jahren habe ich ein Graffito gesehen, dass ganz stark nach Banksy aussah. Irgendwo müsste ich ein Foto davon haben. Banksy-Ausstellungen habe ich bereits 2 gesehen, und von beiden war ich enttäuscht. Nicht wegen der Kunst, aber wegen der komplett lieblosen Ausstellungsgestaltung. Vor allem die in Ljubljana, dort waren auch die ausgestellten Werke nicht so überragend. In Graz gab es immerhin tolle Werke zu sehen. Ich hoffe für dich dass die Banksy-Ausstellung in Dortmund nicht auch von der Sorte lieblos hingestellt ist.
      Liebe Grüße, heike

  4. Ein Spaziergang, der mich wirklich überrascht und meinen Blick auf Graz nochmals erweitert hat. Wenn ich bisher an Street Art gedacht habe, hatte ich eher Bilder von New York und Berlin im Kopf, und weniger von einer österreichischen Altstadt mit Schlossberg. Herzlichen Dank fürs Zeigen. Liebe Grüße Manuela

    • Die Streetart ist dann auch weniger in der Altstadt zu finden als in den nicht ganz so fein herausgeputzten Bereichen. Wobei ich ja finde, dass die Mauern und Tore mit Streetart auch herausgeputzt sind. Hinter dem Bahnhof soll es auch ein Kunstprojekt als Streetart geben, das werde ich mal suchen gehen. Dann, wenn das Wetter wieder ein bisschen mehr zum Radeln einlädt, momentan fahre ich nur das Nötigste. Und Graz hat ja durchaus Erfahrung mit kontroverser Kunst im Straßenraum, siehe all die Überbleibsel des steirischen herbst.
      Liebe Grüße, heike

  5. Da reihe ich mich ein, ich mag auch Street Art! So schön, was Du zusammengetragen hast und ich weiß noch nicht, was ich am Liebsten mag! So viel originelles, vielseitiges und unvermutetes an Kunst.
    Danke, dass Du uns mitgenommen hast.
    Liebe Grüße
    nina

    • Unvermutet ebenso, genau, denn plötzlich ist da ein buntes Garagentor. Nicht nur einmal passiert. Und ich bin in Ecken gekommen, die ich zwar kenne, aber sehr selten bin. Ausgenommen die Belgiergasse beim Platz der Freiwilligen Schützen, denn dort sind Stadtbibliothek und Mediathek.
      Liebe Grüße, heike

  6. du hast ja wirklich tolle graffitis mitgebracht. die katze gefällt mir tatsächlich am besten, aber auch viele andere sind witzig, originell und toll gemacht.
    die probleme mit der umbenennung von straßen kenne ich auch aus anderen städten. ich freu mich, dass jetzt eine so mutige frau wie maria stromberger durch diese straße geehrt wird.
    mein monatsspaziergang kommt erst morgen, ich hatte bisher keine zeit, die vielen fotos durchzuschauen.
    liebe grüße von mano

    • Ich mag wie sich der Uhrturm in der Sonnenbrille der Katze spiegelt, in dessen Richtung sie auch schaut. Der ist allerdings durch die Krümmung im Berg verdeckt. Es warten noch einige Straßen auf Umbenennung, nicht immer geht es zügig und einfach schon gar nicht. Und erst die ganzen Anwohner und Firmen, die überall Adresse ändern müssen, obwohl sie gar nicht umgezogen sind. Trotzdem ist die Umbenennung richtig und wichtig. Besonders wenn die Frauenquote bei Straßennamen angehoben wird. Denn es gibt sie, die verdienten Frauen 😊
      Mach dir keinen Stress, es ist genug Zeit, der Monatsspaziergang ist diesen Monat auch sehr früh.
      Liebe Grüße, heike

  7. So eine dynamische Street-Art-Szene wie in Graz gibt es nicht oft zu sehen. Ich wüsste nicht, was mir am besten gefällt. Viele sind witzig, viele einfach super gemalt. Sagt man „gemalt“?
    In meinem Ort gibt es nicht ein einziges Bild. Noch nicht mal Städten an Trafohäuschen.
    Herzlichst Anette

    • Graz hat um die 300.000 Einwohner und etwa 50.000 Studierende, da darf es gerne eine größere Streetart Szene geben. In meinem ursprünglichen Heimatort mit ca. 300 Einwohnern gibt es auch nichts, noch nicht mal Schmierereien am Bushäuschen.
      Mir gefällt die Qualität der Streetart auch, ich werde ab jetzt immer mal wieder gezielt die Augen offen halten.
      Liebe Grüße, heike

  8. Liebe Heike,
    wie klasse, was du alles an Streetart gefunden hast. Was für eine Fülle, ich bin begeistert! Hättest du nicht dazugeschrieben, dass sich der Uhrturm in der Brille der roten Katze spiegelt, wäre mir diese vielleicht gar nicht aufgefallen.
    Mir gefällt am besten das Foto mit der Giraffe und das Foto mit der Leiter. Also nicht nur die Streetart, sondern der Blick mit dem du siehst.
    Aber auch die beiden Avatare finde ich klasse! Und Cicero und Tesla.
    Ja, ich wohne (leider) auf dem Land, in einem kleinen Dorf… 🙂
    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag!
    Ingird

    • Die Giraffe mag ich auch sehr. Und die Leiter war zu schön und passte einfach dazu 🙂
      Auch das Leben auf einem Dorf hat seine Vorteile. Statt bunter Streetart gibt es dann eben bunte Blumen 😉
      Liebe Grüße, heike

  9. Wow, heute habe ich mir dann endlich mal Zeit genommen, um noch einmal über die vielen tollen Grafittis zu staunen. In der ach so aufgeräumten Schweiz vermisse ich so etwas immer ein bisschen. Obwohl: als ich letzte Woche in Bern war, ist mir mal wieder so richtig aufgefallen, wie viel mehr Street-Art es dort und erfahrungsgemäss auch weiter im Westen in der Welschschweiz gibt.
    Danke fürs Zeigen! Stefanie.

    • Inzwischen habe ich noch ein paar mehr Cluster mit Streetart entdeckt, könnte sein dass es im Laufe des Jahres noch ein bisschen mehr davon zu sehen gibt. Und gäbe es nicht so eine Art Streetart-Festival, hätten wir vermutlich auch nicht so viel besondere Streetart. Beim Wort Welschschweiz habe ich kurz gestutzt, war Welsche in der Steiermark historisch doch eher die Bezeichnung für italienische Einwanderer, die vor allem als spezialisierte Handwerker kamen. Oder auch andere mit einer Sprache romanischen Ursprungs. Und da ist dann anscheinend auch die Gemeinsamkeit zu finden, wie ich gerade nachlesen konnte. Wieder was gelernt 🙂
      Liebe Grüße, heike

Antworte auf den Kommentar von Anette Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert