Monatsspaziergang im Oktober durch Graz

Jedes Jahr in den letzten Septembertagen bzw. zum ersten Wochenende im Oktober bekomme ich Besuch von lieben Freunden. Beide sind Erkundungen durch Graz nie abgeneigt und gehen gerne spazieren, seit der Pandemie sowieso. Also haben wir am 1. Oktobersamstag einen ausgiebigen Spaziergang durch die Innenstadt von Graz gemacht. Und ich hatte meinen Monatsspaziergang für den Oktober 2022. Der Monatsspaziergang ist eine monatliche Blog-Mitmachaktion von Kristina Schaper. Jede/r mit Blog kann mitmachen. Man nehme 5-25 Bilder, an einem beliebigen Tag des Monats von einer zu Fuß zurückgelegten Wegstrecke aufgenommen, gerne auch zu einem bestimmten Thema, gestalte einen Blogbeitrag dazu und verlinke diesen am 3. Sonntag des Monats.

Wir haben an diesem Tag etliche Kilometer zu Fuß zurückgelegt. Und ich habe viele Fotos gemacht. Sehr viele. Meine Wahlheimatstadt ist schön. Fast überall. Der Titel Unesco Weltkulturerbe kommt nicht von ungefähr. Also habe ich bei allem möglichen abgedrückt. Fluchten, Häuser, Details. Ich habe viele Runden zum aussortieren gebraucht. Und war irgendwie nicht zufrieden. Irgendwie fehlte mir das gewisse Etwas. Bis ich alle Straßenaufnahmen und klassischen Blickwinkel, die sogenannten touristischen Fotos, aussortierte. Übrig blieben Fassadenausschnitte und Straßenoberflächen und Details und ein bisschen Stadtpark. Und zur Einstimmung das einzige „touristische“ Foto, das bleiben durfte:

Der Uhrturmblick

Der Uhrturm am Schloßberg ist das Wahrzeichen von Graz. Blickachsen mit Uhrturm sind von vielen Ecken der Stadt zu finden. Nur von Norden sieht man ihn nicht wirklich, da ist der höhere Teil des Schloßbergs im Weg. Ich habe im Verlauf des Spaziergangs mehrere Fotos mit Uhrturmblick von verschiedenen Stellen gemacht. Und wieder aussortiert. Vielleicht stelle ich mich dieser Aufgabe ein andermal.

Blick vom auskragenden Steg auf der Dachterrasse des Kaufhauses K&Ö über die mittelalterlichen Hofstättenanlagen entlang der Sackstraße zu Schloßberg und Uhrturm

Lend

Der befestigten Stadt auf der anderen Murseite vorgelagert war die aus den beiden Bezirken Lend und Gries bestehende Murvorstadt. Mit dem Bau des Kunsthauses im Kulturhauptstadtjahr 2003 nahm vor allem der Bezirk Lend im Bereich zwischen Lendplatz und Südtiroler Platz enormen Aufschwung und mauserte sich zum Kreativviertel.

Rose am Lend. Das Haus am Lendplatz heißt so.
Fassadengestaltung an einem Neubau am Lendplatz
Straßengestaltung
Regenbogenzebrastreifen vorm Kunsthaus
Das Kunsthaus schiebt seinen blauen Popo nach hinten in die Mariahilferstraße.
Eisernes Haus. Die Skulptur wurde bei der Sanierung in der Nische vermauert gefunden.

Innere Stadt

Der Bezirk Innere Stadt umfasst ziemlich genau den Bereich, der von der Stadtbefestigung umschlossen war. Nicht der mittelalterlichen Stadtmauer, sondern der renaissancezeitlichen Bastionen. Wir haben ihn auf unserem Spaziergang, vom Abstecher auf den Dachbalkon des Kaufhauses abgesehen, nur entlang des alten Verkehrswegs durchquert. Das heißt vom Lend kommend die Mur an der Stelle überquert, wo im Mittelalter die Furt mit der jahrhundertelang einzigen Brücke überbaut wurde. Das Foto von der mit Schlössern behängten Hauptbrücke mit der sog. Murinsel im Hintergrund hat euch bereits begrüßt. Weiter über Murgasse und Sackstraße am schmalen Ende des Hauptplatzes in die Sporgasse. Dann allerdings über den Karmeliterplatz Richtung Stadtpark abgeschwenkt.

Spätgotischer Überhang mit Fresko in der Sackstraße
Barocke Stuckfassade am Haus Luegg Hauptplatz Ecke Sporgasse
Haus mit Jugendstilfassade Sporgasse 3. Die Bausubstanz hinter der Fassade ist großteils mittelalterlich, wenn auch überformt. Erdgeschosszone stark verändert. Offensichtlich sucht man gerade nach einer neuen Fassadenfarbe.
Wandmalerei mit Sonnenuhr am Neuen Steirischen Landesarchiv, Karmeliterplatz. Milchstraßenwand, Wolfgang Buchner, 1985-86

Die Bäume im Bild sind übrigens Blaseneschen. Die ich nicht kennen und erkennen würde, hätte es im letzten Monat nicht mehrmals Hinweise auf den Blogpost von Astrid über die Blasenesche gegeben. Wieder was gelernt.

Murnockerlpflaster. Die Mur ist der Fluss, der durch Graz fließt. Die rundgewaschenen Flusssteine hat man früher als Straßenbelag verwendet. Im arkadengesäumten Innenhof des Deutschritterordenshauses in der Sporgasse hat sich noch eine Fläche erhalten.

Stadtpark

Der Stadtpark entstand um 1870 auf dem Glacis, dem ehemaligen Militäraufmarschgelände vor den Befestigungsanlagen der Stadt. Er wurde als Naturpark mit seltenen exotischen Bäumen angelegt und steht unter Denkmal- und Naturschutz.

Erst vor etwa 10 Jahren ist im Zuge einer Neubebauung des Pfauengartens in dieser Ecke ein direkter Abgang in den Stadtpark durch die Stadtmauer hindurch entstanden.
Drache oder der steirische Panther? Ich bin genauso zwiegespalten wie die Zunge (die bei beiden eigentlich ein Feuerstoß sein sollte)
Brutgebiet der seltenen Gänsesäger.
Grübler am Dach des Café Stadtpark
Der Burg- oder Schanzgraben, der letzte Rest des ehemaligen Stadtgrabens. Der sicher tiefer war als dieses Becken. Die Mauer sind Reste der Burgbastei. Der Hang und das Befreiungsdenkmal von 1960 gehören bereits zum Burggarten.
Lex auf der Mauer. Mein Lieblingsfoto. Seht ihr das Eichkatzl?
Der Stadtparkbrunnen stammt von einer Weltausstellung. Wien 1873 habe ich soeben nachgelesen. Ein Zwilling steht in Paris, ich glaube auf der Place de la Concorde. Der in Graz steht auf dem Platz der Menschenrechte. Die schirmartige Skulptur links ist wie einige andere Installationen im Stadtraum ein Überbleibsel eines steirischen Herbstes und steht da seit 1985. Sie wird mehr oder weniger liebevoll „Rostiger Nagel“ genannt. Das angeschnittene weiße Gebäude links ist das Forum Stadtpark, in Literaturkreisen gar nicht so unbekannt.

Geidorf – Stadtpark bis Hilmteich

Das Gebiet vom Glacis (der Name hat sich in der am Stadtpark entlangführenden Straße erhalten), später Stadtpark, bis Hilmteich und Leechwald war ein Teil der Besitzungen der Kommende Leech des Deutschen Ritterordens. Nahe beim Stadtpark liegt dann auch gleich die frühgotische Leechkirche. Im 19. Jahrhundert wurde die Universität in dieses Gebiet verlegt und etwa Mitte des 19. Jahrhunderts zum gerade vom Ziegelweiher zum Naherholungsgebiet aufsteigenden Hilmteich hinaus die Schubertstraße angelegt.

Sog. Asylstein, eigentlich Burgfriedstein des Deutschen Ordens nahe der Leechkirche in der Zinzendorfgasse
Türklinke in der Zinzendorfgasse. Auf der Seite mit den ungeraden Hausnummern.
Historische Zäune aus der Gründerzeit in der Schubertstraße
Zaun am Botanischen Garten in der Schubertstraße
Portal/Brunnen/Mauer? in der Herdergasse
Enten im Hilmteich

Das wurde jetzt doch tatsächlich ausufernd. Mit Ach und Krach auf 25 Fotos eingedampft. Nein, es sind 26. Und das ist auch noch gemogelt, weil ich die beiden Collagen nur jeweils als ein Foto gezählt habe. Gekürzt habe ich auch nochmal. Den Hilmteich und auch den Botanischen Garten hebe ich mir für ein anderes Mal auf. Und verlinke diesen meinen Monatsspaziergang im Oktober mit dem Monatsspaziergang von Kristina. Es hat wie immer Spaß gemacht. Vielen Dank für die tolle Idee.

18 Kommentare

  1. Das Eichhörnchen hast du gut eingefangen, sieht lustig aus. Mir gefällt ja der Grübler sehr gut, die eckige Form finde ich richtig klasse.
    Danke fürs Mitnehmen.
    Liebe Grüße,
    Claudia

    • Den Grübler (Name ist von mir) habe ich erst beim Spaziergang entdeckt, ich wusste vorher gar nicht, dass auf dem Café Dach eine Skulptur sitzt. Das ist ja das Schöne an den Spaziergängen, man sieht Vieles mit anderen Augen und entdeckt immer wieder Neues. Das Eichkatzl war ein absoluter Glückstreffer 🐿
      LG heike

  2. Das ist mein erster Eindruck von Graz, eine Stadt die ich nicht kenne. Schöne Eindrücke sehen wir und Graz wäre sicher eine Reise wert.
    L G Pia

    • Graz ist definitiv eine Reise wert. Und da Graz regelmäßig von Nichtösterreichern im Gespräch mit mir in der Schweiz verortet wird, gar nicht mal so weit von dir 😉
      LG heike

  3. Da kannst Du wirklich aus dem Vollen schöpfen und uns Vieles zeigen. Ich bin noch ganz geplättet von der Bilderflut. wunderschön. Das Eichhörnchen ist ja perfekt getroffen worden. So viele unterschiedliche Fassaden und Stile. Vielleicht machst Du es wie Kristina und zeigst immer einzelne Viertel, dann musst Du nicht so kürzen 🙂 für uns wäre es sicher auch wieder lohnend
    Liebe Grüße
    Nina

    • Geht auch gar nicht anders. Um den Hilmteich wird z.B. ein eigener Spaziergang. Ach, ich habe noch so viele Ideen. Allein ich bin so ungeduldig, will immer alles gleich 😉
      LG heike

  4. ich glaube, graz wäre ein absolut lohnenswertes ziel für mich! mir würden die wunderbaren fassaden gefallen, die alten dächer, der uhrturm, die parks mit den skulpturen und ganz sicher auch der verrückte bau des kunstmuseums, den ich mir gleich mal gegoogelt habe. irgendwie wirkt er wie eine nette dicke raupe inmitten der alten häuser, sehr faszinierend. ich las, dass einer der architekten ihn einen „freundlichen außerirdischen“ genannt hat. passt!
    vielen dank für den schönen rundgang, er hat mir sehr gefallen!
    ich hab übrigens auch sehr viele fotos im kloster und -garten gemacht (so an die 80!) und musste dann auch lange rumsortieren und überlegen, welche ich nehme. das nächstemal mache ich wohl weniger…
    liebe grüße
    mano

    • Das gefällt mir, nette dicke Raupe ist eine viel schönere Bezeichnung als „friendly alien“ 😊
      Und Achtung: in Graz kann man sich verlieben. Ich weiß, wovon ich rede 😉
      Ich habe mit etwa 150 Fotos angefangen aussortieren. Das nächste Mal suche ich mir ein kleineres Gebiet und mache definitiv weniger Fotos.
      LG heike

  5. Guten Morgen,
    Was für ein schöner Stadtrundgang. Da ich bisher noch nie in Graz war, bin ich begeistert von der Stadt.
    Danke sehr fürs Mitnehmen!
    Liebe Grüße vom Niederrhein
    Tina

  6. …auch Graz eine für mich unbekannte Stadt, liebe Heike,
    wie schön, dass du mir ein paar besondere Einblicke gewährst, danke dafür…das Eichhörnchen hast du gut erwischt, das sieht wirklich lustig aus…

    liebe Grüße Birgitt

    • „Graz, die unbekannte Schöne“ habe ich mal irgendwo gelesen. Zustände wie in der Getreidegasse in Salzburg sind hier noch unbekannt. Und das darf gerne so bleiben. Wobei der Tourismus in den 27 Jahren die ich bereits hier lebe sehr stark zugenommen hat. Und ich zeige diese meine Wahlheimatstadt gerne. Es wird garantiert noch einige Graz-Spaziergänge geben.
      LG heike

  7. Liebe Heike,
    ich war noch nie in Graz, habe aber das Gefühl, es würde mir gut gefallen dort! Ich finde das so schön, wie wir uns gegenseitig unsere Städte bzw. Orte zeigen. Da kann kein Reiseführer mithalten 🙂
    Ich hatte beim Aufstellen der „Spielregeln“ zuerst 20 Bilder gedacht, habe dann aber gemerkt, dass mir das auch zu wenig ist. Das rigorose Aussortieren schärft den Blick auf das Wichtige, das Thema, die Aussage, habe ich festgestellt- aber ich habe auch jedes Mal vieeeel mehr Material als in einen Spaziergang passt. das gute am Bloggen ist ja, Du kannst so viele Blogbeiträge zum Thema machen, wie Du möchtest 🙂
    So schön, dass Du dabei bist beim Monatsspaziergang! Herzliche Grüße sendet Kristina

    • Liebe Kristina,
      Die Beschränkung auf 25 Fotos ist schon gut und richtig. Und ich werde sie auch bei den nächsten Spaziergängen einhalten. Ich wollte diesmal einfach zu viel. Der Fokus auf nur ein Thema hätte gereicht. Aber dann dachte ich, wer weiß in wie vielen Monaten ich dann die Artikel zu den anderen Themen mache. Denn ich habe ständig neue Ideen. Und noch so viel zu zeigen. Und du wirst lachen, ich habe tatsächlich daran gedacht, noch einen Blogpost zu machen. Du hast mit deiner Aktion hier bei mir ganz viel angekurbelt. Danke dafür 🙂
      LG heike

    • Das war nur ein Bruchteil des Schönen, das man in Graz entdecken kann 😉
      Und die Highlights waren noch gar nicht dabei. Es wird nicht der letzte Spaziergang durch Graz gewesen sein.
      LG heike

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert