Der Winter ist noch nicht vorbei

Mit den Schneeglöckchen zeigen sich gerade die ersten Frühlingsblüher im Garten, aber irgendwie bin ich mit meiner Stimmung immer noch im Winter und sehr wärmebedürftig. Ein immer noch nicht vollständig auskurierter grippaler Infekt und die allgemeine Weltenlage lassen mich gerade nur noch frösteln. Die dicken gestrickten Winterpullover haben noch nicht ausgedient. Stattdessen kuschele ich mich noch gerne in die zuletzt gestrickten. Deshalb gibt es zum MeMadeMittwoch im März auch kein in Richtung Frühling und wärmere Zeiten schielendes genähtes Gewand, sondern einen weiteren Strickpullover zu sehen. Habe ich doch seit dem Jahreswechsel mehr gestrickt als genäht, und wenn ich doch genäht habe, dann eher noch mehr Blöcke für mein Jahresprojekt den Tula Pink City Sampler Quilt.

Dass der hier nun gezeigte Pullover nicht nur hübsch ist, sondern auch eine leider nun noch aktuellere Komponente hat, ist mir erst beim Schreiben dieses Beitrags wieder so richtig bewusst geworden. Denn das Modell nennt sich Javelin und die Designerin Teti Lutsak hat sich sehr bewusst für diesen Namen entschieden. Um es mit ihren eigenen Worten zu sagen:

Javelin was born during a very difficult time. On February 24th, 2022 Russia attacked Ukraine and the world as I knew it ceased to exist. I am Ukrainian and my whole family is back in Ukraine. To not fall apart I kept knitting.
Javelin is an old Celtic word, which means a light spear thrown in a competitive sport or used as a weapon. There’s also a portable anti-tank missile system called Javelin, that’s being used by Ukrainians to stop the invaders. I like the melodic sound of it and even though I could come up with a more romantic name for this design, I feel it most appropriate
Javelin is about strength and resilience. But under the hard textured shell of the top and edges there is a soft and humble soul of the body.

https://tetilutsak.com/products/javelin-pullover

Am 24. Februar jährte sich also der Angriff Russlands auf die Ukraine nun schon zum vierten Mal. Vier Tage später, am 28. Februar, griffen die USA und Israel den Iran an. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber mein Optimismus und auch meine Hoffnung haben einen weiteren gewaltigen Dämpfer bekommen. Dazu das immer weiter nach rechts driften und das langsame Aushebeln der Demokratie, wieder erstarkende Misogynie, ach, man könnte wirklich depressiv werden. Vermutlich stricke ich deshalb gerade so viel. Denn Stricken hilft mir mein Gedankenkarusell wieder in angenehmere Bahnen zu lenken und mich zu beruhigen. Im Gegensatz zu vielen Menschen weltweit geht es uns doch gut. Natürlich haben wir auch Zukunftssorgen. Aber wir haben immerhin eine. Eine Zukunft.Viele der Menschen in den Kriegsgebieten haben sie nicht.

Ach, ich höre schon auf. In diese Richtung sollte dieser Beitrag nicht abdriften. Schwierig, jetzt einen Übergang zu finden zum schönen Event des monatlich zu zeigen was frau denn Kleidsames für sich produziert hat. Aber brauchen wir nicht auch das Schöne im Leben? Und die Bestätigung? Und auch die Herausforderung? Die Herausforderung des Machens und des Gestaltens, und damit wäre dann doch die Kurve gekriegt 😉

Der Pullover Javelin ist der erste Rundpassenpullover, den ich gestrickt bzw. den ich fertiggestellt habe. Denn eigentlich habe ich schon früher mal einen anderen Pullover mit Rundpasse begonnen, der nun nach etlichen Fehlstarts und mühsamen Anpassungen auch in der Zielgeraden ist. Aber hier und heute geht es um Javelin. Der Pullover wird in einem Stück von oben nach unten gestrickt. Das sehr interessante Muster schmückt die Rundpasse und bildet auch den Abschluss von Ärmeln und Saum. Die Anleitung ist sehr gut aufgebaut und angenehm zu stricken. Es ist bereits mein zweiter Pullover nach einer Anleitung von Teti Lutsak, nach dem Dark Moss Pullover, und wieder bin ich begeistert. Der Pullover ist eigentlich kürzer und somit kastiger gedacht, ich habe ihn um etwa 10cm verlängert. Die verwendete Wolle ist insgesamt recht schwer, der Pullover hat sich etwas ausgehängt und ist jetzt schon fast ein bisschen zu lang für mein Gefühl. Bündchen nochmal trennen und etwas kürzen ist aber derzeit noch keine Option.

Die Art des Strickens wie das Muster entsteht war mir komplett neu, aber sehr interessant und auch eingängig. Ich verrate hier aber nichts zum Muster, selbst ausprobieren.

Gefällt mir auch gut, der Abschluss an allen Säumen.

Wer hier schon länger liest hat bei der Farbe des Pullovers nun garantiert ein Dejá vu gehabt. Habe ich doch bereits im Februar 2023 eine Ode an die Farbe Rotbuche geschrieben und all meine damals entstandenen Strickwaren in Rotbuche von Rosy Green Wool gezeigt. Sei es in Big Merino Hug wie auch hier, oder in Cheeky Merino Joy oder Lovely Merino Treat. Nur der Seelig Schal, der ist immer noch nicht angefangen…

Die damals gezeigte und dank der Garnfarbe perfekt dazu passende Jeans hat leider so ziemlich das Zeitliche gesegnet, aber es finden sich im Kleiderkasten dann doch etliche Kombinationsmöglichkeiten. Die noch dazu mehr oder weniger darauf gewartet haben, einen Kombipartner mit etwas kräftiger warmer Farbe zu bekommen. Ich zumindest finde, dass sowohl meine Marlenehose aus dünnem braunem Wollstoff als auch die helle Baumwollhose mit Fischgratmuster geradezu auf einen peppigeren Kombipartner gewartet haben. Und auch mit schwarzen Hosen lässt sich Rotbuche gut kombinieren, natürlich. Besonders freut mich, dass auch mein Mantel sehr gut zur Farbfamilie passt. Aber seht selbst:

  • Schnitt/Anleitung: Javelin von Teti Lutsak / Teti’s Knit Garden (über Ravelry)
  • Material: 7 Stränge à 100g Rosy Green Wool Big Merino Hug in Rotbuche, gekauft in der Maschenwerkstatt Graz
  • Kosten: ca. 130€
  • Werkzeug: Rundstricknadeln 4,5mm, für Passenbeginn und Bündchen 4,0mm
  • Arbeitszeit: viele Stunden innerhalb von 6 Wochen
  • Info auch in Ravelry hier zu finden

Und da sowohl Pullover als auch Wollmarlene letzten Montag die Kleidungswahl für ein weiteres Abokonzert von Recreation Barock waren, gab es unverhofft im Stiegenhaus vor dem Minoritensaal noch Fotos an der Frau in sehr viel repräsentiverem Ambiente als der eigenen Gartenmauer. Gespielt wurden übrigens Stücke von Vivaldi und Bach, mit der famosen Geigerin Lina Tur Bonet als Konzertmeisterin.

Warm eingekuschelt in meinen Wollpullover begebe ich mich nun zum MeMadeMittwoch im März, mal sehen wer wie ich das Wintergewand noch gut gebrauchen kann und wer kleidungstechnisch bereits den Frühling herbeiruft.

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4 Kommentare

  1. Liebe Heike,
    was für ein toller Pulli! Das Muster schaut total raffiniert aus und die Farbe passt ja wieder genau zu dem, was du sonst so zeigst – kein Wunder, dass du da genug Kombinationsmöglichkeiten in deinem Schank findest 😉
    Jetzt weiß ich nur nicht, ob ich dir lieber einen schnellen warmen Frühlingsanfang oder noch viele Möglichkeiten, das schöne Teil zu tragen wünschen soll 😁
    Liebe Grüße
    Nanni

    • Ich versuche gerade Lücken im Schrank zu füllen, was die Kombinierbarkeit angeht. Gut abgestimmte Farben sind da natürlich Trumpf. Jetzt bräuchte ich noch eine Jacke in der Farbe 😉
      Ach, lieber Frühlingsanfang. Der Pullover wurde seit Fertigstellung Mitte Januar bereits reichlich getragen, nun darf er bald in Sommerpause gehen, und die Strickjacken kommen wieder zum Einsatz. Die kann man schneller an- und ausziehen 😉
      Liebe Grüße, heike

    • Auch wenn es Strickwerk ist und kein Nähwerk 😉 Kommt ja auch mir zugute, mental und ich habe was Nettes anzuziehen 😊
      Liebe Grüße, heike

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