Erstversuch English Paper Piecing

Beim Handarbeiten bin ich nun so nach und nach bei einer Phase angelangt, wo ich anstelle des schnellen Erfolgs und der schnellen Naht mit der Nähmaschine durchaus auch mal der einen oder anderen Handnaht den Vorzug gebe. Und generell zwischendurch ein Slow Sewing Project genießen kann. Und so ist es dann eigentlich gar nicht verwunderlich, dass ich bereits seit längerem auch gerne mal English Paper Piecing, kurz EPP, ausprobieren möchte. Auch seit mir im weltweiten Netz und vor allem auch in Büchern in meinem Besitz auch der eine oder andere Quilt in EPP begegnet ist.

Cover or Hanging, possibly Francis Brayley, 1864-77. Ein Soldatenquilt und eines der wunderbaren Beispiele aus dem Buch zur Ausstellung Quilts 1700-2010, Hidden Histories, Untold Stories, V&A 2010

Und doch habe ich mich irgendwie nicht drüber getraut. Im Prinzip wusste ich wie es geht. Papierschablone, Stoff darum heften, und die gehefteten Formen dann an den Kanten mit Überwendlingstich aneinander nähen. Am Schluss Papier wieder raus kletzeln. Aber was, wenn ich falsch hefte? Man bzw. frau kann sich wirklich wunderbar selbst blockieren manchmal. Zum Glück tauchte dann English Paper Piecing bei den Themen der Stoffspielereien für dieses Jahr auf. Und so habe ich mir endlich einen Tritt gegeben. Ein weiterer Glücksfall war, dass eine der Teilnehmerinnen unserer nahezu monatlichen Nähtreffen im April auch ein EPP-Projekt mit Hexies dabei hatte, und mir und einer weiteren Interessierten der Runde die Basics kurz gezeigt hat. Und uns außerdem beim nächsten Mal einen ganzen Schwung Papierschablonen mitgebracht hat (Danke Silvia!). Denn sie hat eine Stanze für Hexies, damit sind die Schablonen natürlich sehr viel schneller hergestellt. Und ich hatte keine Ausrede mehr, außer vielleicht die fehlende Zeit. Ein spontanes Treffen zum Handarbeiten bei einer Freundin verschaffte mir die Zeit, zumindest ein paar in der Restekiste gefundene Stoffquadrate um die Sechseckschablonen zu heften. Und das Online-Nähkränzchen kurz vor knapp eignete sich bestens, um zumindest ein paar der gehefteten Hexies aneinander zu nähen.

Ebenfalls aus oben genanntem Buch (S. 148), ursprünglich jedoch als Teil der Cartoon-Serie „Mother tells you how…“ im ab 1951 wöchentlich erschienenen Magazin „Girls“ publiziert.

Das Muster schlechthin für mich für diese Technik sind Hexagone und ihre Abwandlungen. Für mein erstes Hineinschnuppern in English Paper Piecing habe ich deshalb ganz bewusst Hexagone ausgewählt. Meine Papierschablonen haben eine Kantenlänge von 2,5cm, zum Anfangen ist das eine gute Größe. Entgegen der üblichen Lehre die Stoffe rumdum mit 1/4″ bzw. 0,6cm Nahtzugabe zuzuschneiden habe ich bereits vorhandene Stoffquadrate mit etwa 7cm Kantenlänge verwendet, Eckausschnitte vom Taschen nähen. Auch weil mir von verschiedenen Stellen versichert wurde dass das auch andere so machen und es außerdem keine Quiltpolizei gibt, die ganz genau nachmisst und die Nahtzugaben und Heftung überprüft 😉

Die Skrupel über das „Richtig“ machen also über Bord geworfen und einfach losgelegt. Die Quadrate lassen sich auch gut um die Sechsecke heften, gequiltet und mit Rückseite drauf wird man keinen Unterschied mehr sehen. Die Heftung ist übrigens nicht durch das Papier gestochen, so lässt sich das Papier auch leichter wieder entfernen. Denn auch dafür gibt es zwei Wege, durch das Papier stechen und nicht durch das Papier stechen. Ich bevorzuge zweiteren Weg.

Allzu weit bin ich also nicht gekommen, aber ein Anfang ist gemacht. Und ich habe vor allem die innere Sperre überwunden. Im Juli habe ich ein paar auch längere Bahnfahrten vor mir, neben Strickzeug und Sashikostickerei könnten mich da auch ein paar Hexies auf die Reise begleiten. Damit aus diesem kleinen Versuchsfleckerl irgendwann zumindest eine Kissenhülle wird. Von einem Quilt wage ich noch nicht zu reden.

Ute von 123-Nadelei sammelt alle Beiträge zum Thema English Paper Piecing. Danke, Ute, für die Wahl des Themas, das mir den benötigten Schub gegeben hat EPP auch endlich mal auszuprobieren.

Das Stoffspielereien Thema „Altes in Neuem“ bei feuerwerk by KAZE im April habe ich zeitlich ja nicht geschafft, doch jetzt ist das dafür begonnene Projekt fertig. Und ein Blogbeitrag dazu fast fertig.

Die Stoffspielereien

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