Freudige Osterfeiertage

Am Anfang und am Ende steht geselliges Beisammensein und Essen mit der erweiterten Schwiegerfamilie, dazwischen ein Museumsbesuch mit der Patentochter. Und da geteilte Freude vervielfachte Freude ist, dürft ihr jetzt mittels Fotos daran teilhaben 😉

Dieses Jahr waren wir mal wieder die Gastgeber für die Osterjause. Jeder trug etwas dazu bei, so dass von Ostereiern über Osterpinze und dem traditionellen Selchfleisch und geselchten Würstel bis Aufstrich und Käse und Salat alles vorhanden war, was zur Osterjause einer teilweise vegetarischen Familie gehört. Da es noch später Vormittag am Ostersonntag war, ohne Alkohol, brav wollten alle nur Wasser. Bei 12 Leuten wird es langsam eng um unseren großen Esstisch, aber es ist noch machbar.
Da alle so schön beieinander waren, inklusive Schwiegerfamilie der Schwägerin, haben wir auch gleich noch den 20. Geburtstag des Neffen gefeiert. Diese tolle Torte hat die Schwägerin für ihren jüngeren Sohn gezaubert.
Am Ostermontag kam dann die liebste Cousine mit der Patentochter für 2 Tage zu Besuch. Bereits im Vorfeld hatten wir einen Museumsbesuch ausgemacht, die Patentochter durfte wählen und entschied sich für das Naturkundemuseum. Also sind wir ohne die angeschlagene und auf dem Sofa verbleibende Cousine mit dem Fahrrad zum Joanneumsviertel gefahren.
Das Joanneumsviertel entstand vor einigen Jahren durch Neugestaltung des Bereichs zwischen der nunmehrigen Neuen Galerie an der Neutorgasse und dem Stammhaus des Universalmuseums Joanneum, dem aus dem ehemaligen St. Lambrechter Stiftshof und späteren Adelspalais hervorgegangenen Lesliehof in der Raubergasse. Den Wettbewerb für die Neuerrichtung des verbindenden unterirdischen Eingangsbereichs inklusive Depot für die Museen und die auch hier befindliche Steirische Landesbibliothek entschied das spanische Architekturbüro Nieto Sobejano für sich. Wer jetzt meint, den Namen schon mal bei mir gelesen zu haben, erinnert sich richtig. Das sind diejenigen, die auch die nun nicht mehr ganz so neue und seit Jahren auf endgültige Fertigstellung wartende Dachlandschaft auf dem Kaufhaus in der Sackstraße geplant haben. Beim neuen Verbindungsbauteil für das Joanneumsviertel punkteten sie mit sich nach unten verjüngenden Glastrichtern, die Licht und Luft bis zu 2 Geschosse in die Tiefe bringen.
Über einen dieser Trichter führt auch die Rolltreppe zum neuen Eingang in die unterirdisch gelegene Eingangshalle nach unten. Normalerweise. Am Ostermontag war die nach unten führende Rolltreppe jedoch außer Betrieb. Aber es gibt ja noch mehr Eingänge, etwa den barrierefreien Eingang im Durchgang zum Innenhof. Und wir kamen in den Genuss, auch in den hübschen Innenhof mit Laubengang des Lesliehofs spitzen zu können.
Ein Klassiker bei Flachdachabdichtungen ist, dass es durch Kriechfluss garantiert an irgendeiner Stelle tropft (Da muss gar kein Loch in der Abdichtung sein. Sogar Verdunstung durch Temperaturunterschiede an Bauteilen kann die Ursache sein). Deshalb der Kübel am linken Bildrand. Der eher wegen der Rutschgefahr als wegen der tatsächlich sehr geringen Tropfenmenge dastand.
Durch die Glastrichter sind die unterirdischen Bereiche auch schön hell.
Da gerade als wir die Karten kauften eine Führung durch die Ausstellungen der Neuen Galerie begann und die Patentochter nicht abgeneigt war, haben wir uns kurzentschlossen der Führung angeschlossen. Der von 1890-95 als „Kulturhistorisches und Kunstgewerbemuseum“ errichtete neubarocke Bau an der Neutorgasse beherbergte bis zur Neugestaltung des Joanneumsviertels die nunmehr ins Schloss Eggenberg übersiedelte Alte Galerie. Alte und Neue Galerie sind übrigens 1941 aus einer Trennung der Landesbildergalerie in Kunst vor und nach etwa 1800 hervorgegangen. Der nicht mehr benötigte Eingang von der Neutorgasse ist verschlossen, die repräsentative Eingangshalle dient nur mehr als Knotenpunkt zwischen den Ausstellungsflächen.
Die Neutorgasse ist derzeit eine einzige große Baustelle. Nach Jahren des Grübelns und Zauderns und Planens wird die schon sehr lange benötigte Ausweichroute für die derzeit alle durch die Herrengasse führenden 6 Straßenbahnenlinien nun mit der neuen Rot-Rot-Grünen Stadtregierung endlich angegangen. Es steht zu hoffen, dass der Gewöhnungseffekt genutzt wird und die Neutorgasse auch nach Ende der Bauarbeiten verkehrsberuhigt bleibt, sonst steht die Straßenbahn auf dieser Route erst im Stau.
Da gerade im Obergeschoss eine große Ausstellung vorbereitet wird, bestand die Führung allerdings zum Großteil aus einem Besuch der Ausstellung im Bruseum. Diese nach Sammlungsankauf 2011 eröffnete permanente Austellungsstätte innerhalb des Neuen Museums zeigt Arbeiten des in der Steiermark geborenen und nach Jahren in Wien und Berlin wieder hier lebenden Künstlers Günter Brus. Die momentane Ausstellung zeigt den Einfluss von Ana Brus auf das Kunstschaffen ihres Mannes und einiger seiner Künstlerkollegen des Wiener Aktionismus. Nicht so ganz meine Kunstrichtung, die Spiegelung der Schwarzweißfotos am Boden gefiel mir dafür gut 😉
Und dann die Überraschung. Ab etwa 1970 schuf Günter Brus märchenhafte Arbeiten in einer Verbindung aus Literatur und Kunst, von ihm selbst Bild-Dichtungen genannt.
Seine Frau Ana, die von sich selbst sagt, sie sei keine Künstlerin (?!), fertigte nach Vorlage dieser Arbeiten Kissenhüllen in Needlepoint.
Oben: Der Morgenflug des Kranichs, 1981; Unten: Das Warten auf den Silbermorgen, 1977; Zeichnung Günter Brus, Ausführung Ana Brus, Wolle, Needlepoint

Warum bitteschön werden Werke, bei denen die Kombination aus Textil und von einer Frau hergestellt zusammenkommt, nach wie vor nicht als ernstzunehmende Kunst anerkannt? Nicht mal von den Frauen selbst? Jahrhunderte an Kleinmachen haben echt ganze Arbeit geleistet.

Also sind wir endlich in Richtung dahin, wo wir ursprünglich hinwollten marschiert. Mit einem Abstecher zum CoSA. Nett, aber eher für jüngere Kinder als die 15-jährige, mit der wir unterwegs waren.
Der Lesliehof, in dessen 2. Obergeschoss die Räumlichkeiten des Naturkundemuseums situiert sind, ist ein ehemaliges Adelspalais. Bzw. wurde der Komplex ursprünglich von 1665-74 als Stadthof des obersteirischen Benediktinerstifts Sankt Lambrecht erbaut. Was den Museumsräumen abgesehen von den Ausstellungsstücken nochmal einen ganz eigenen Charakter gibt, der mir gut gefällt.
Das Naturkundemuseum besteht aus einer mineralogischen, einer zoologischen und einer botanischen Ausstellung. Ich mag die Präsentation in diesem Raum sehr, hat was von einer Wunderkammer eines adligen Sammlers.

Das ist doch mal ein repräsentativer Saal für die mineralogische Sammlung.
In einem Raum wird ein Ende des 19. Jahrhunderts entstandenes riesiges Relief der gesamten Steiermark gezeigt.
Eine kleine Kunstintervention von Walter Köstenbauer gerade im Naturkundemuseum: rechts ein Faksimile des Feldhasen (1502) von Albrecht Dürer, links „Nature’s disappearing feat. Albrecht Dürer und John Mayell“, 2022
Dass der Gepard mit einem Sprung bis zu 7 Meter überwinden kann, glaubt man bei dieser Bewegungsstudie mit Skelett sofort. Im Galopp kann er 104 km/h Maximalgeschwindigkeit erreichen, die aber nur für etwa 500m durchhalten. Obwohl ich weder Skelette noch ausgestopfte Tiere besonders mag, mag ich diese Bewegungsstudien fast mit am liebsten in diesem Museum.
Randvoll mit neuem Wissen verlassen wir das Museum.
Am Weg zum Lokal, wo wir uns zu Ehren des erst an diesem Tag angereisten älteren Neffen nochmal mit der Schwiegerfamilie treffen, legen wir am Stadtpark einen kurzen Stopp ein. Besonders gut ist es mir nicht gelungen, den Zauber der blühenden Forsythienhecke unter den Platanen entlang des Glacis einzufangen.
Pizzaessen mit der Familie, nett war’s.

Schön auch, dass mir dieser Freudige Feiertag ein weiteres Häkchen beim BINGO! von antetanni beschert.

13 Kommentare

  1. Liebe Heike! So schöne Bilder! Danke für Krankenpflege und Tochter kümmern… nächstes Mal will ich wieder mit… auch wenn die Miezen mich so schön bebrummt haben… dickes Bussi von Elke

    • Sie sind gute Tröster, die beiden 😊 Jetzt kannst du wenigstens virtuell mit dabei sein, das nächste Mal dann wieder in Persona. Alles Gute und liebe Grüße, heike

  2. wow
    das war aber ein schöner Besuch! so ein urzeitlicher Elch steht hier auch im Museum König in Bonn, wo man auch ähnlche Auststellungen findet
    Danke fürs mitnehmen und liebe grüsse
    nina

    • Der war in seiner Größe wirklich beeindruckend mit seinen Geweihschaufeln. Nach Neujahr waren wir bereits mit dem Bruder und seinen beiden Jüngsten im Naturkundemuseum, vorher auch schon, und jedes Mal entdecke ich noch Neues und mag es mit jedem Mal lieber. Schön dass du mitspaziert bist und liebe Grüße, heike

  3. Liebe Heike,
    an euren Tisch hätte ich mich auch gerne gesetzt. Wir waren am Ostersonntag 13 Personen ;-). Und die Torte ist ja der Hammer! sehr originell.
    Auch dieser Spaziergang hat mir sehr gefallen. Mein Lieblingsbild: die „Wunderkammer“.
    Liebe Grüße
    Ingrid

    • Die 13. Person kam dann doch nicht 😉 Und die Schwägerin ist sehr kreativ, nicht nur beim Torte dekorieren, auch beim nähen. Die Wunderkammer mag ich auch sehr. Schön dass dir unser Museumsbesuch auch gefällt.
      LG heike

  4. Ach was für eine schöne Ostertafel. Ja so eine herrliches gemeinsames Essen – wie Du sagst Jause, das habe ich auch so gerne. Und dann genieße ich solche Zusammenkünfte auch immer.
    Vielen Dank auch für den schönen Museumsbesuch, den ich sehr interessant gefunden habe und über manchen Raum wirklich ins Schwärmen gekommen bin.
    Lieben Gruß
    Kirsi

    • Danke liebe Kirsi. Das Wort Jause habe ich auch erst hier in der Steiermark kennengelernt, in der Oberpfalz bin ich mit dem Begriff Brotzeit aufgewachsen. Die Osterjause in der Steiermark ist etwas ganz Besonderes, mit geweihtem Selchfleisch und frisch geriebenem Kren (=Meerrettich) und Pinze (die eher zu den süßen Weißbroten zählt). Ich mag vor allem die Pinze inzwischen sehr, und auch meine Familie freut sich wenn ich bei gelegentlichen Besuchen mitbringe 😊
      Die Museumsräume sind toll in ihrer erhaltenen Pracht, ich mag das auch sehr.
      LG heike

  5. irgendwann setz ich mich in den zug und fahre nach graz! schon wieder zeigst du so spannendes aus deiner stadt. allein dieser trichter inmitten der schönen alten bauten reizt mich zum anschauen. naturkundemuseen mag ich auch sehr und dieses scheint nicht verstaubt und nur altehrwürdig zu sein. besonders gefallen haben mir allerdings die wirklich märchenhaften bilddichtungen von günter brus und noch mehr die wunderschönen gobelinkissen von ana brus. dass frauen, die sich mit textiler kunst beschäftigten nicht ernstgenommen wurden, weiß frau ja schon seit bauhauszeiten…
    ein toller bericht – an euren ostertisch hätte ich mich auch gern gesetzt und eine möhre von der herrlichen torte genascht :)!
    liebe grüße
    mano

    • Danke liebe Mano. Ja, Graz ist auch mit der nicht sonderlich guten Zuganbindung eine Reise wert. Muss man eben länger bleiben 😉 Die Bild-Dichtungen fand ich auch schön, vor allem im Vergleich mit den Aktionen, die Brus und Künstlerkollegen vorher gemacht haben und die auf den Schwarzweiß-Fotos festgehalten sind. Und es gibt noch einige Museen mehr zu sehen und zu zeigen, innerhalb und außerhalb des Universalmuseums Joanneum. Und auch sonst. Meine Liste ist lang 😉
      Liebe Grüße aus Graz, heike

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